Mittwoch, 31. Dezember 2014

31. Dezember 2014 - Besondere Tage -

Das Jahr deiner Träume

(Wer den Titel googlet, findet einen Neujahrssong von Udo Jürgens)

Das Jahr 2014 verabschiedet sich, und mit Wehmut oder auch mit Erleichterung denkt der eine oder die andere an das Vergangene zurück. Erlebte Niederlagen, grenzenlose Hoffnungen, die sich erfüllt haben oder leider auch nicht; eine Liebe, die geblieben ist oder eine, die nur noch Erinnerung ist: schmerzlich oder dankbar, jeder Mensch sieht es anders, jeder erlebt es auf seine Art.

Es ist nur ein Datum, aber wir legen viele Hoffnungen in ein jedes neues Jahr. Die sich erfüllen können oder auch nicht. Sind die Erwartungen zu groß, sollte man sich vielleicht vor ihnen im allgemeinen hüten. Sind keine Hoffnungen da, fühlt es sich nicht richtig an.

Es gibt Verluste in 2014 zu beklagen, wie in jedem Jahr. Doch nicht jeder hat verloren, was ihm lieb und teuer ist. Manches Teure sitzt noch in den Pantoffeln herum, und man hat es gern herum sitzen. Jemand anderer hat Hummeln im Hintern und Highheels im Schaufenster gesehen, die er unbedingt noch haben muss, um in ihnen herum zu stöckeln. Für viele sind die besten Träume die von einer heilen Familie und einer bleibenden Gesundheit. Beides ist keine Selbstverständlichkeit. Darum sind wir dem Jahr 2014 dankbar, es gut über die Bühne gebracht zu haben - wenn auch viele nicht völlig unbeschadet. Die letzten Stunden schaffen wir auch noch. Und die meisten packen das gerne.

Aus dem Hinterhalt schleicht sich 2015 leise an und ist das große Unbekannte,  erst einmal nur eine Zahl. In der sich Schicksale erfüllen, Gedanken zu Worten werden und Worte zu Türen. Und Türen weisen Wege zu Welten.

Wir tasten uns vorsichtig und vielleicht ein bisschen verkatert an das Jahr 2015 heran, gleichwohl es keinen Sinn macht - es anders als behutsam fragend anzugehen.

Von hier aus wünsche ich allen Kranken eine baldige Genesung, allen Feiernden viel Freude, allen Weinenden ein Taschentuch und allen alles Liebe und Gute für 2015.

Einen guten Rutsch in 2015 ohne Blessuren wünscht Biene

30. Dezember 2014 - Vox - Goodbye Deutschland - Über Didi und Hasi

Foto: Freundlicher Weise von Didi und Hasi zur Verfügung gestellt. Danke.

Curry-Wurst und Dolce Vita

haben Didi und Hasi im Sinn gehabt, als sie ihr jahrelanges Urlaubsziel zu ihrer neuen Heimat gemacht haben. Freundlichen, ehrlichen Menschen kann es nicht schaden, einen Fernseh-Sender um unterstützende Beiträge sowohl für die Curry-Wurst als auch fürs Dolce Vita zu bitten. Und es hat geklappt: Die rote Bude ist Kult am Gardasee. Didi und Hasi gehören zu den beliebtesten Auswanderern, die Vox je rekrutiert hat.

Dringend widersprechen muss ich Hasi, dass das Wetter in Wermelskirchen allgemein schlecht ist: Wir wohnen nicht weit weg und haben jede Menge gutes Wetter und Sonnenschein. Ob wir auch so gute Curry-Würste haben wie die Menschen am Gardasee, sei dahin gestellt. Wir haben hier Curry-Würste. Punkt. Doch Tourismus zu einer Curry-Wurst-Bude gibt es nur zu der von Didi und Hasi.

Das sprach sich einst bis zu der Krimi-Autorin Ingrid Schmitz herum: Sie reiste an den See von Didis Träumen und Hasis Verlangen und schrieb ein Buch über die beiden:  "Curry-Wurst und Dolce-Vita". Hier kann man alles über die beiden nachlesen - und über ihre Auswanderung im Besonderen.

Inzwischen sind die beiden bodenständigen Auswanderer seit siebenundzwanzig Jahren verheiratet. Und Hasi bedankt sich besonders für das letzte Jahr bei ihrem Didi: Sie musste ins Krankenhaus. Und in solchen Fällen merkt man immer besonders, wer einem nahe steht. So ist auch Didi das wichtigste im Leben von Hasi. Umgekehrt ist das mit Sicherheit genau so, keine Frage.

Der raue Umgangston ist inzwischen mehr Programm als ernst gemeint. Die beiden sind eine verschworene Einheit.

Und Vox' gestriger Beitrag eine einzige Liebeserklärung an die beiden Auswanderer. Da gibt es von dieser Stelle nix zu meckern - und das macht auch manchmal Spaß.

Alles Gute, Didi und Hasi, einen guten Rutsch in 2015 und ein erfolgreiches, gesundes Jahr

wünscht Biene

30. Dezember 2014 - Vox - Goodbye Deutschland - Fabio und Jörg auf Gran Canaria

Prominent

sind die Klamotten-Zwillinge nach eigenen Angaben nicht. Darum haben sie nun eine Fan-Kneipe und lassen sich Autogramm-Karten drucken. Die Prinzen, wie Vox sie nennt, leben in einer eigenen Bling-Bling-Welt, vor der selbst heutige Könige zurück schrecken würden. Wenigstens sind sie nett, was sie selber kund tun, und bodenständig, nicht arrogant und stets gut gelaunt.

Nachdem sie in Deutschland die Akzeptanz vermisst haben, sind sie vor vielen Jahren nach Gran Canaria ausgewandert, um nun als Insel-Promis durch zu gehen. Was sie selber sagen, hin oder her, ist belanglos. Die Bescheidenheits-Sprüche gehen nicht konform mit ihrem Wohn- und Arbeits-Ambiente. Man meint immer, den Mooshammer als guten Geist über allem schweben zu sehen.  Sieht man die Abschieds-Szenen aus Deutschland, so waren sie auch dort akzeptiert, aber nicht allgemein bekannt. Da haben einige geweint, weil sie den Ort verlassen haben.

Nun weinen einige, weil sie auf Gran Canaria erfolgreich sind - und es hagelt Lärm-Belästigungs-Beschwerden für ihre Fan-Kneipe. Fabio und Jörg vermuten dahinter Nachbarn, deren Kneipen nicht so frequentiert werden wie ihre. Ja, wenn es den lieben Nachbarn nicht gefällt ...

Die Fan-Kneipe ist rappelvoll und einige Gäste finden die süßesten Worte für das schnuckelige Pärchen.  Nicht wenige sind ihnen gar verfallen. So verfällt ein jeder etwas anderem. Und es wird für die beiden ein gutes 2015, wenn es auch so bleibt. Denn nichts ist schnelllebiger als die Zeit und die Menschen, die in ihr leben.

Fleißig ist das Ehepaar, da gibt es nichts. Ein neues Projekt steht an, und ein Schnitzelhaus soll es werden. Da können die Jörg-und-Fabio-Follower ganz nach alter Touristen-Tradition endlich essen wie zuhause.

Viel Glück auf allen Wegen wünscht Biene

30. Dezember 2014 - Vox - Das perfekte Dinner - Wiederholungs-Woche - Letzter Tag in Hannover bei Peter

Vorspeise: Hessisches Zwiebel-Apfelsüppchen mit Zimtcroutons und gerösteten Blutwurstscheiben
Hauptspeise: Entenbrust mit Balsamico-Trauben und Kartoffel-Aprikosen-Püree
Nachspeise: Lauwarmes Haselnusstörtchen auf Himbeer- und Birnensoße


Burn After Reading - Wer verbrennt sich hier die Finger

Diese Sende-Kopie hätte man nach der Erstausstrahlung gnädig dem ewigen Feuer übergeben sollen. Doch als böse Tat zum Jahresende dürfen die vier Hannoveraner ihre Desaster-Tage noch einmal der Allgemeinheit vorführen. Ist denkbar, dass Deniz den Schaden und die Schande, die sie davon tragen musste - gerade überwunden hatte. Aber so ist es: Wenn über eine alte Sache mal endlich Gras gewachsen ist, kommt sicher so'n Kamel gelaufen ...

Den letzten Tag darf/muss Peter gestalten. Als Rechtsanwalt beschäftigt er sich lieber mit rein sachlichen Dingen wie Verkehrsrecht, denn er meint, als Anwalt in zwischenmenschlichen Verstrickungen müsste man gleichzeitig noch den Seelsorger geben. Nach dieser Woche gewinnen seine Worte an Gewicht hinzu: Ist schwierig genug, sich auf drei andere Menschen einzulassen, deren teilweise einzige Straftat ihr zubereitetes Essen war.

Bislang führt Sina rein punktemässig die Runde an. Ihr Lohn für Nerven, die am Rande des Wahnsinns spazieren gehen. Sie weiß langsam nicht mehr, ob sie Fisch oder Tofu ist. Eine harmlose Frage an ihrem Dinner-Abend bringt sie unverhältnismäßig aus jedem Gleichgewicht.

Während Deniz ein paar Wasserflecken auf ihrem Weinglas so verstören, dass sie nahe am Nachbarschafts-Dinner-Krieg wandelt.  Dann ist auch noch die Ente so rosa gegart,  wie sie sein soll. Das ist zuviel an Skandalen. Da muss Schnaps und Wein und was-weiß-ich her, um sie in laute Feierstimmung zu bringen.  Aber angeschickert, lacht sie wenigstens mal und vergisst völlig weitere Kritik.

Peter läuft der Abend nun vollends aus dem Ruder: Er wollte niemanden derart abfüllen. Er wollte nur an einer Unterhaltungs-Sendung teilnehmen. Dank Freund Alkohol freut sich Deniz, bei Peter übernachten zu dürfen. Und sie gibt ihm vorerst sechs Punkte.

Am nächsten Morgen wird sie von einem Kater geweckt, der ihr deutlich macht, wo der Mäusekot in diesem Keller liegt, in dem sie übernachtet hat. Und das schmutzige Klo. Frau ernüchterte Saubermann kann sich nicht an die vorläufigen Punkte erinnern, die sie vergeben hat. Und zückt die Tafel mit der Drei. So bekommt Peter lediglich siebzehn Punkte, was ihn wiederum unfroh macht.

Sina ist die Siegerin in einer Woche, die man nun wieder ganz schnell vergessen sollte. Schwamm drüber, Mäusekot weg, Deniz darf nach Hause gehen ... Alles wird ... vielleicht ... gut.

Allen einen schönen Silvester-Tag, Gruß Biene

Dienstag, 30. Dezember 2014

29. Dezember 2014 - Vox - Das perfekte Dinner - Wiederholung - In Hannover bei Deniz

Foto: M. R.
Vorspeise: Sahte Manti
Hauptspeise: Oturtma mit Reis
Nachtisch: Kirsch-Quark-Speise


Gegen die Wand

Überfall mäßig springen den Zuschauer das rote Schlafzimmer, der knallrote Klodeckel und die in schreiendes Rot getünchte Küche an. Das sieht nach Power aus, nach unermüdlichem Schaffen: Doch Deniz hat das Arbeiten erst mal aufgegeben, sie ist schließlich fünfunddreißig Jahre alt, und möchte jetzt relaxen und früh in Rente gehen. Bleibt die Frage, wovon sie all die Küchenrollen bezahlt, mit denen sie so verschwenderisch umgeht, dass es jedem Baum in den Wurzeln weh tut.

Die gelb-gelockte, sonnenbank-verbrannte Deniz spendiert ihrer Kochkunst große Worte im Vorfeld, am Ende bleibt eine Frau mit Hochglanz-Gesicht, die sich mal so richtig gegen die Wand fährt. Pingelig wischt sie mit Meterware von Papier jeden winzigen Spritzflecken weg, aber die Haare hängen in ihrem Essen. Die sind natürlich immer frisch gewaschen, denn so eine Batterie von Shampoo und Billig-Duschmitteln, wie sie ihr Badezimmer bevölkern, hat die Welt noch nicht gesehen. Im Schlafzimmer sammelt sie Parfums, die sich wie in einer Messie-Ahnengalerie aneinander reihen.

Im Wohnzimmer sind es alkoholische Getränke, die in einer Bar dem Verderben entgegen dämmern. Es gilt striktes Verbot für die Gäste, die Bar anzurühren. So hat Peter in seiner Vorab-Einschätzung recht: Zwar sammelt sie keine Plüschtiere, aber alles, was irgendwie an Flaschen erinnert.

Da passt sie hervorragend ins Bild. Und das haut Daniel Werner ihr auch gern und oft im Namen der Autoren des Dinners um die Ohren. Ein paar Songs leisten ihr übriges. Tun tut man nicht sagen, Deniz! Tun muss man tun! - Die Sprache ist nicht so ihr Ding, dafür verletzende Worte für andere um so mehr.

So kommt Serdar schon hochelektrisch emotional geladen um die Ecke. Immerhin hat sie an seinen Speisen kein gutes Haar gelassen und Kritik angebracht, die sonst keiner verstanden hat, aber das ist ja auch nicht der Sinn von Deniz' Worten. Es bleibt ihrem Landsmann, wie sie ihn immer wieder nennt, erspart, die Nadel im Heuhaufen suchen zu müssen: Ist nicht schwer, bei ihrem Essen fündig zu werden.

Hier kommen Sachen auf den Tisch, die schon rein äußerlich keine Einladung darstellen. Eher: Es-ist-Dienstagabend-und-ich-habe-keine-Lust-auf-Küchenmühe! Zusätzlich sind die Mengen für eine Party mit vielen Leuten, aber insgesamt eher für eine im Dunkeln. Davon muss sicher ihr armer Sohn noch die ganze Woche satt werden.

Serdar fragt nach einem Raki, doch so dringend er den auch gebrauchen kann (die anderen sicher auch): Sie rückt keinen raus.

All die Mühen werden letztlich mit vierzehn Punkten abgehakt. Ausgerechnet Serdar muss bei ihr übernachten. Doch oh Wunder, vor dem Niederfall in ihr rotes Bett bekommt er noch seinen kleinen Raki gereicht.

Und als er endlich nach Hause gehen darf, kann Deniz wieder in aller Gemütsruhe relaxen und sich für die nächsten beiden Abende ein paar Fiesheiten zurecht legen. Oder kommen die ihr ganz spontan?

Guten Morgen, Gruß Biene

Montag, 29. Dezember 2014

28. Dezember 2014 - ARD - Tatort München - Das verkaufte Lächeln

Foto: I. N.
Das verkaufte Lächeln

Die blitzend-weißen Häupter in voluminösem Umfang deuten schon klischeehaft darauf hin, dass hierunter keine neuesten und allerneuesten Technologie-Kenntnisse ihren Unterschlupf gefunden haben. Des weiteren steht die Wunderheilung Leitmayrs von seinen schweren Verletzungen im Verdacht, nicht von einem Arzt, sondern einem nachlässigen und ratlosen Drehbuchautor getätigt worden zu sein. Erst kann es nicht spektakulär genug zugehen - und dann findet man keinen Ausweg aus dem im Übermut verfassten Quatsch.

In dem neuesten München-Krimi geht es um drei Kinder, die mehr oder weniger auf sich allein gestellt, den Weg zur schnellen Kohle im Internet finden. Dem Leben noch nicht wirklich gewachsen und naiv gegenüberstehend - haben sie jedoch genügend Computerkenntnisse, um diesen verhängnisvollen Weg zu gehen. Eine Rolle spielt auch die Zuwendung, die sie auf diese Art und Weise erreichen. Besonders Hanna, die ihre Eltern nur vom flüchtigen Auf Wiedersehen-Sagen kennt. Dann ist Tim tot. Ermordet.

Für die Spurenfahndung im Internet ist der Jungspund Kalli Hammermann zuständig. Das ist vermutlich auch ansonsten bei der Kripo so geregelt, dass Ermittler sich nicht auch noch in den neuesten Technologien auskennen müssen. Sie müssen ja auch keine Obduktionen selber durchführen.

Und es stellt sich heraus, dass die drei Kids mehr als nur ihr Lächeln im Internet an eine widerliche Pädophilen-Welt da draußen angeboten haben. Was jetzt dazu führen könnte, dass manche Eltern sich mal genauer ansehen, was ihre Kinder online so treiben. Ein hauptverdächtiger pädophiler Mann mit allen nur denkbaren Klischees wie: Jugendtrainer, verheiratet, Vater von zwei Töchtern - ist schnell ausgemacht. Zwar ist er allumfassend schuldig, aber nicht an dem Mord.

Florian hat seinen Freund mit einer Gaspistole umgebracht. Und das auch noch aus Eifersucht, weil Tim mehr Zuwendung von dem Mann bekam, dem andere Menschen nur Verachtung entgegen bringen dürften.

Ein paar Nebenschauplätze komplettieren das schauspielerisch durchgestylte Ensemble um die Münchener Ermittler. Ein sehenswerter Krimi, in dem besonders die drei Kinder mitreißend spielen.

Es ist schön, dass Batic und Leitmayr nicht auch dem berüchtigten Tatort-Rotstift zum Opfer gefallen sind, wenn sie auch manchmal mit ihren silbernen Häuptern den ganzen Bildschirm ausfüllen. Pension gibt es ja auch im wirklichen Leben in der Regel noch nicht in ihrem Alter.

Guten Morgen, Gruß Biene

Samstag, 27. Dezember 2014

27. Dezember 2014 - Drei Männer im Schnee

Drei Männer im Schnee

wären wir ohnehin nicht. Bienchen ist ein Mädchen mit empfindlichen Hundefüßchen, denn bei meiner Mutter, von der ich sie geerbt habe, gab es kein schlechtes Wetter. So zumindest hat Bienchen es erfahren. Der Mann in der Hunde-Runde ist Robin, und er ist abgehärtet, da kommt kein Wetter zwischen Ausgeh-Lust und Verdruss.

Der zweite Mann ist mein Mann. Über ihn habe ich noch nicht soviel erzählt, aber hier die Anmerkung: Er kann Schnee durchaus leiden.

Erich Kästner hat das Buch über die drei Männer im Schnee geschrieben, und in der Advent-Zeit durfte man den Film mal wieder bewundern. Auch dann, falls der Kästner nicht mehr der original-Satiriker war, sondern nur noch ein Abklatsch seiner Selbst: Der Film ist intelligenter als andere aus dieser Zeit.

Ach ja, und ich bin auch kein Mann im Schnee. Suche nicht in Weihnachten das Allheilmittel und in Silvester nicht den absoluten Neuanfang.  Doch wenn wir drei - die beiden Hunde und ich - durch den Schnee stapfen, dann hat das schon was. War früher mehr Schnee und mehr Lametta zu Weihnachten, so erwischt uns das heute eiskalt. Nicht so sehr das Lametta ...

Dann kommen noch die Silvester-Knaller. Ein Knaller sind die für uns nicht, eher ein Ab-Törner. Deutschland ist arm dran, aber für Quatsch reicht das Geld allemal. Für uns ist das Ganze nur ein Verdruss.

In diesem Jahr bekommt Bienchen kein Sedalin wie in den letzten, denn ich gehe mit ihr kurz vor Mitternacht in unser Bett - und hoffe, dass alles gut abläuft. Für mein Bienchen, für ihre Seele und für die drei harmlosen Männer im Schnee, die so schön an vergangene Zeiten erinnern, die wir noch nicht einmal persönlich kannten.

Auf zur Silvester-Feier ohne Feuerwerk, Gruß Biene

27. September 2014 - WDR - Martina und Moritz - Silvester-Finger-Food

Martina und Moritz

präsentieren  ihre Gerichte zu Silvester zum allgemeinen Nach-Kochen, doch leider ist die heutige Sendung aus verschiedenen bereits archivierten zusammen geschnitten. Der Sender muss sparen, es kann ja sein, dass die Rundfunkgebühren den Bach runter gehen.

Sie trägt gelbe Ohrringe zum ersten Finger-Food. Gut, die Ohrringe sind wirklich Geschmacksache und nicht jedermanns Sache, aber originell haben sie einen Wiedererkennungswert.

Es gibt zweierlei Mangold-Röllchen: Eine Chose mit Hackfleisch, die andere ist eine vegetarische Variante und lehnt sich an die arabisch-sizilianische Küche an - was immer das auch bedeutet. Wenn das konform geht, soll es mir recht sein.

Martinas Ohrringe sind weiß-rot und es gibt dreierlei Käsehäppchen. Moritz ist kein Freund von Käse, aber er gibt sich dem öffentlich-rechtlichen und Martinas Drang hin und hilft flott mit. Macht die Remouladen-Soße dazu und einen Kartoffelsalat. Die Käse-Quadrate werden paniert, frittiert und in Öl ausgebacken. Moritz schmeckt der Gouda besser als der Bergkäse.

Dazu reicht er ein Glas mit einem Rosmarinzweig und heißem Wasser, tupft etwas Honig hinein und empfiehlt es als Köstlichkeit. Muss man mal ausprobieren.

Martinas Ohrringe sind silber oder weiß, man sieht es nicht so genau. Es gibt Käsekartoffeln. Für Rosmarinkartoffeln-Geschädigte vom perfekten Dinner eine wirkliche Abwechslung.

Bei uns wird es an Silvester einen selbst gebeizten Lachs geben und ein rosarot gegartes Roastbeef (beide Rezepte gerne auf Wunsch erhältlich).  Bislang einzig geplante Beilage ist der Kartoffelsalat, dessen Rezept von einer Freundin stammt. Weiteres entscheidet sich in den nächsten Tagen.

Wäre froh, wenn hier ein paar Entscheidungshilfen kämen. Für Finger-Food. Für köstliche Genüsse zum Sekt oder Champagner.

Gruß Biene

26. Dezember 2014 - ARD - Tatort Saarbrücken - Weihnachtsgeld -

Weihnachtsgeld

Die ARD hat mal eben ihr gesamtes Weihnachtsgeld zusammen gekratzt, einen Stall gemietet, einen vorhandenen Weihnachtsmarkt genutzt und sich aus der Weihnachtsgeschichte ein paar Figuren entliehen. So musste man nicht selber denkend tätig werden.

Maria trifft auf Jupp, und sie ist hochschwanger, aber nicht von Jupp. Beide treffen auf eine Scheune, und das Jesus-Werden kann los gehen. Friede, Freude, Feierkuchen. Damit es aber nicht nur gemütlich wird, passiert ein Mord - und der Kommissar wird im Puff mit k.o.-Tropfen für ein paar Stunden außer Gefecht gesetzt. Ob die Tropfen letztlich auch in der Rechnung über 500 Euro enthalten sind, ist nicht sicher, aber möglich. Wenigstens bekommt Stellbrink eine Quittung über die 500 verbratenen Euros. Die kann er sich dann sonstwo hinstecken.

Am Ende klärt er selbstverständlich den Mord und auch alle anderen kleineren Ganovenstücke auf. Und man trifft sich zu einem gemeinsamen Weihnachtsessen, nachdem Marias Sohn zuvor noch eben an Heiligabend zur Welt kam. Vielleicht erlöst er die Zuschauer von diesem Tatort-Ableger.

Was hätten die Münsteraner aus einem Weihnachts-Tatort gemacht? Keine Ahnung? Vielleicht hätte Alberich ihren Auftritt als Weihnachtsengel gehabt und Boerne hätte den Bischof Nikolaus  gegeben, während Vadda Thiel das ewig verdächtige Räuchermännchen ins Bild gebracht hätte. Und Maria hätte ihren Sohn in der Pathologie entbunden, nachdem sie gebärend vor dem Identifizieren einer Leiche zusammen gebrochen war.

Aber was und wie viel haben sich die Saarbrücker bei ihrem Tatort gedacht? Vermutlich nur HoHoHo!

Guten Morgen, Gruß Biene

Freitag, 26. Dezember 2014

26. Dezember 2014 - rbb - Pappa Ante Portas

Foto: M. R.
Pappa Ante Portas

Gestatten - Bienenbienchen, ich schreibe hier. Ach Quatsch: Gestatten Lohse, ich kaufe hier ein, sagt der früh-verabschiedete Mann, der seiner Firma bis in die heutigen Tage das Klopapier besorgt hat. Denn der Film ist schon ein bisschen in die Jahre gekommen, doch aktuell allemal. Es steht so mancher Pappa beschäftigungslos vor der Tür und sucht sein Glück wie Herr Lohse im Neu-Durchorganisieren eines bereits perfekt laufenden Haushalts.

Das perfekte Familienglück in Dreier-Kombination mit Mann, Frau und Sohn bleibt zum Glück zu Gunsten der Realität auf der Strecke. Nervige Nachbarinnen überprüfen den Jetzt-Zeit-Inhaber auf männliche Tugenden. Und landen slapstickmässig natürlich auf Böden und sowieso. Renate Lohse sieht genervt, aber nicht beunruhigt über jede peinliche Situation hinweg. Die Sicherheit von vielen Jahren macht es sich mit der Bequemlichkeit gemütlich. Doch Herr Lohse möchte seine Renate hier und da überraschen. Selbst vor dem Einkauf in einem Dessous-Laden macht der Gatte nicht Halt. Vor lauter Weiß sieht er die Raffinesse nicht, sondern nur, das, was er eben so sieht: Weiß.

Darf sie ihn anschließend nach Hause kutschieren, kommt man den Unterhaltungen von vielen Ehepaaren im Auto sehr sehr nahe. Fahr nicht so schnell! Guck nach hinten! Fahr nicht auf dem Mittelstreifen. Und überhaupt: Herr Lohse ist der Besserwisser und besser Denkende - doch nachdenken hat er nicht auf der Pfanne.

So lässt er ein Fernseh-Team in sein Haus. Die stellen das gründlich auf den Kopf und bringen Renate von einer Ohnmacht in die nächste. Da ist noch dieser Schoko-Riegel-Hersteller , der sie erst zum Würgen und beinahe Erbrechen mit seinen Erzeugnissen bringt, um ihr anschließend seine Liebe zu erklären - was die Übelkeit vollständig macht, und nur noch die Flucht kann dem Einhalt gebieten.

Das Leben ist voller Überraschungen, wenn man Lohse heißt und von der Firma ein paar Jahre erlassen bekommen hat. Doch das ist nur die Verlegung von einem Knast in einen anderen.

Man sollte jetzt aber nicht denken, dass die beiden sich nicht lieben. Nein, das tun sie. Nur eben nicht für alle sichtbar. Besonders nicht für Renates Schwester mit ihrem penetrant nach Einigkeit suchenden Ehemann. Der vor lauter gedachter Glückseligkeit die Wahrheit permanent und konsequent leugnet.

Ein Hohe-Lied auf die Ehe und die menschliche Zwanghaftigkeit, die in ihrer Wahrhaftigkeit nach permanenten Lösungen sucht - die es gar nicht gibt.

Schade, dass sowohl Victor von Bülow als auch Evelyn Hamann nicht mehr leben. Sie hätten es vermutlich noch spitzer auf die Spitze getrieben in einem anderen Film. Als ganz ganz altes Ehepaar.

Gruß Biene

Donnerstag, 25. Dezember 2014

25. Dezember 2014 - Ein paar Gedanken zu Weihnachten

Ist das Leben nicht schön

Weihnachten wäre ergiebiger, wenn man mehr Übung darin hätte. Selbst ein Hundertjähriger feiert nur hundertmal Weihnachten, während er andererseits täglich isst, trinkt und den lieben Gott einen guten Mann sein lässt.

Wenn man über eine Helene-Singerei locker hinweg sehen kann, ist man schon auf der richtigen Seite. Udos einziger Fehltritt im hohen Alter:  Man kann es ihm nachsehen - aber nur schwer verzeihen. Blond, vermutlich blöd, in jungen Jahren schon die Nase korrigiert - sucht man mit der eigenen Nase nach Weihnachtsdüften.

Und findet sie in haus-internen Küchen und in deren von Familienangehörigen. Es duften Pfeffernuss und Pfefferpotthast und Hasen und Gänse und dergleichen mehr. Es duften Tanne und ähnliche Gewächse aus dem nahen Wald. Dass man in dem selben mal so richtig durchatmen kann, ist nicht jedem bekannt, doch empfehlenswert.

Gute Gespräche und was ansonsten auf den Tisch kommt, ist eine Zugabe, die Applaus erwartet. Dass Tante Dingens vorbei kommt, ist die eher seltene Ehre, die man locker abhakt als gute Tat oder wenn es ganz mies kommt - als alljährliche Belästigung.

Weihnachten kommt immer immer wieder und lässt sich kaum vermeiden. Man macht das Beste draus oder geht in die Offensive - und versöhnt sich mit Hinz und Kunz oder denkt mal drüber nach, von wem man sich trennen mag.

Hier geht Weihnachten gut und gerne über den Tisch. Es sind ja nur zweieinhalb Tage. Dann streben wir Silvester entgegen und einem neuen Jahr. Da ist immer ein Anflug von Hoffnung.

Fünfzehn Grad minus werden hier erwartet, ich schicke warme Gedanken.

Gruß Biene

25. Dezember 2014 - Frohe Weihnachten


Allen Lesern und Mit-Schreibern des Blogs


besinnliche und friedliche Weihnachtstage

wünscht von Herzen Silvia




Mittwoch, 24. Dezember 2014

24. Dezember - Eine Liebe ... vom Schnee verweht.

Vom Schnee verweht ...

Was macht man mit einer Liebe, die im Sterben liegt und in deren Windschatten die Fetzen fliegen?  Gabi und Uwe fragten sich, ob es überhaupt jemals Liebe war, oder doch eher ein Strohfeuer der üblichen Art, wie man es in jedem Leben immer wieder mal trifft. Der Streit war groß und eine Einigung nicht in Sichtweite. Dennoch besuchte sie ihn ein letztes Mal in seinen Bergen, sie wollte Gewissheit haben und Abschied nehmen. Und da Uwe nichts gegen diesen Besuch einzuwenden hatte, ging sie davon aus, dass es ihm ähnlich erging. Von Kitten und Reparieren mit schönen Worten oder Taten war nicht die Rede. Von einer Versöhnung, die in eine Freundschaft münden konnte, schon eher. Und es würde selbst dann eine Freundschaft bleiben, wenn sie sich danach nie wieder begegnen würden. Wenn es gut lief.

Sie fuhr also in die schneebeckten Berge; mit dem Zug. In München musste sie umsteigen. Dann ging es weiter ins Schneeparadies und zu dem Mann, den sie sehr sehr mochte - ob es auf ihrer Seite je Liebe war? - Sie wusste es nicht. Sie ließ sich treiben und erwartete eigentlich nicht viel. Nur, dass es nicht im Streit endete. Und in Missverständnissen verloren ging.  Auf beiden Seiten war es keine einfache Mission. Er plagte sich manchmal mit Gewissensbissen, weil er nicht der ideale Mann an ihrer Seite gewesen war. Sie hätte ihn manchmal gerne fest gehalten, vermochte es aber nicht. Er war eben ein Schmetterling und unberechenbar. Wollte sie das? Wollte das irgend jemand? - Doch es war in der Weihnachtszeit, in der viele Leute über viele Dinge mehr nachdenken als sonst. Gabi wollte nichts festhalten, was sich nicht halten ließ - und Uwe wollte sich nicht binden, wo es überall rief "Freiheit".

Er holte sie am Bahnhof ab, und sie fuhren in seine Wohnung. Die war so kühl durchgestylt wie immer, nichts Weihnachtliches belastete die Atmosphäre. So war er, sie war anders. Hatte es deshalb nicht funktioniert? Oder war es schlicht und einfach die Entfernung, die auf Dauer wie eine Glasscheibe wirkte, gegen die man immer und immer wieder vergebens anlief?

Es dauerte auch nicht lange, und sie waren in den ewigen Streitthemen gefangen. Dann wieder lagen sie sich lachend oder je nach dem auch weinend in den Armen. Am ersten Tage des Wiedersehens war klar, dass hier Welten aufeinander prallten, die sich die Köpfe einhauen konnten, aber nicht beide Köpfe unter eine Decke stecken wollten.

Mit seinem Allrad-Antrieb-Auto fuhren sie am nächsten Tag auf eine Alm, die von einem sehr alten Mann betrieben wurde - und eine Art Geheimtipp war. Es ging so steil bergan wie es mit den Gefühlen von Gabi und Uwe bergab ging. Sie wollten dennoch ein paar Stunden der Ruhe genießen. Eine Ruhe wie man sie auf einem Friedhof hat, wenn man Abschied nimmt.

Es war ein lustiger Abend, powered by Alm Öhi, bis es diesem plötzlich gar nicht mehr gut ging. Von einer Minute auf die andere wurde er blass, musste sich hinhocken und eine Hand lag an seiner Brust, als könne er sein Herz vor dem Zerspringen schützen. Uwe ging ans Telefon und rief den Rettungsdienst. Sie kamen ziemlich schnell, der Alm-Mensch war bekannt und beliebt in der Gegend. Der alte Mann hat es überlebt, soviel dazu.

Und Uwe und Gabi haben das Ende ihrer Liebe oder Verliebtheit ebenso überlebt: Sie hatten von dem alten Mann die Weisung bekommen, sich um die Hütte zu kümmern und sie später abzuschließen. Das nahm das ehemalige Liebespaar ziemlich ernst. Doch an diesem Abend kamen keine Gäste mehr, und sie blieben allein. Allein mit sich und ihren Erinnerungen. Die, wie sie feststellen mussten, dann doch nicht so prominent waren, sondern aus ein paar Begegnungen resultierten. Bis in den frühen Morgen sprachen sie miteinander, übereinander und von anderen Lebensentwürfen. Und dies in aller Freundschaft. Plötzlich war auch jeder Streit beendet. Wären Uwe und Gabi füreinander bestimmt gewesen, sie hätten in dieser Nacht zueinander gefunden.

Doch das Leben hatte für jeden von beiden andere Aufgaben parat. Diese Nacht zeigte es ihnen und wies ihnen eine Zukunft ohne einander.

Sie haben später noch manchmal miteinander telefoniert, doch wieder gesehen haben sich Gabi und Uwe nie.

Frohe Weihnachten, Gruß Biene

23. Dezember - Vox - Wiederholung: Letzter Tag bei Reinhild im Emsland

Zappelphilipp

Man möchte gar nicht sehen, was bei Reinhild in diesen Tagen zu Hause alles abgeht: Hyperaktiv dirigiert sie in ständiger Bewegung Musikinstrumente und Kochlöffel und verzweifelt sicher an den eher filigranen Plätzchenbackformen. Und irgendwo zwischen Tanne und Kugeln sucht sie nach einer eigenen Meinung:

Ist ihr ein Segelflug zuerst zuwider, weil sie längere Zeit still sitzen muss - flippt sie jetzt in hohe Höhen aus, weil Jens ihr (und den anderen) einen Flug schenkt.  Keine Meinung in direkter Konkurrenz mit null Ahnung vom Kochen, das ist die beste Voraussetzung, sich für ein Dinner zu bewerben, um Schwächen mal so richtig fernsehtauglich ins rechte Licht zu rücken.

Zu alledem arbeitet sie in der Suchthilfe! Hilfe! Braucht sie doch selber einen Berater, um Ruhe  und noch mehr Ruhe und Gelassenheit in ihr Leben zu bringen. Das Wasserbett, auf das sie in der Nacht flieht, wenn ihr Mann schnarcht - ist ziemlich wellengängig eingestellt. Das lässt vermuten, dass sie nicht mal in der Nacht ihre Ruhe möchte, sondern Bewegung, Bewegung, Bewegung ...

Zur ständigen körperlichen Aktivität gesellt sich ein permanenter Freilauf ihrer Schnauze. Sprechen, um des Redens willen, nicht, um etwas zu sagen. Zu allem Überfluss holt sie ihr Saxophon hervor und bläst uninspiriert da rein: Selbst die Töne gehen ihr flöten, so fürchten die sich vor der holzhammer-mäßigen Bearbeitung.

Die älteste Tochter, die zur Drehzeit in den USA als Aupair weilt, ist vermutlich auf der Flucht gewesen, um Ausgeglichenheit zu finden. Es ist ihr zu wünschen, sie gefunden zu haben. Hektik und Stress gibt es dann wieder zu Hause.

In diversen Vereinen angesiedelt, hat ihr Tag vielleicht mehr Stunden als der ertragen kann. Selbst Tage werden müde. Nicht so Reinhild.  Da verflüssigt sich jede innere Mitte zu einem gleißenden Lavastrom und ergießt sich über alles, was in ihre Nähe kommt.

In diesen Tagen wünsche ich ihr inneren Frieden, Frieden, Frieden ...

Allen einen schönen Heiligabend, Gruß Biene

24. Dezember 2014 - Der Adventskalender - Ein Beitrag von Viktualia Suleyka - Weihnachten mit David

Foto und Beitrag von VIKTUALIA


X-Mas Undercover oder: Das beste Weihnachten ist eines, das man nicht bemerkt

„Der ist vom anderen Stern“, das kennzeichnet am besten die Fremdheit des Autisten in unserer Welt. Wenn man diese Tatsache, als Mutter und Vater eines autistischen Kindes verstanden und halbwegs verarbeitet hat, versucht man in den nächsten Jahren, seine und die „normale“ Welt kompatibler zu machen. Ein bisschen jedenfalls, denn viel geht da nicht.

Die wichtigste Voraussetzung ist heraus zu finden, wie so jemand tickt, seinen Code ein kleines bisschen zu entschlüsseln, damit man verstehen kann. Damit man versuchen kann, in der Schutz-Mauer, die jeder Autist um sich herum von Anfang an errichtet, das winzige Löchlein zu finden. Denn ein Schlupfloch, das gibt es immer.

Es kann ein Scherz sein, eine Gewohnheit, ein freudig wahrgenommenes Geräusch, besondere Musik oder ein Lied. Wer aufmerksam beobachtet, wird es bemerken, da setzt man dann den Hebel an, und versucht geduldig über lange, lange Zeit, das winzige Löchlein zu einer geräumigen Tür, zu diesem einsamen Menschlein aus zu bauen. Denn auch wenn Autisten noch so abweisend und selbstgenügsam erscheinen – sie sind zutiefst allein – und nicht in der Lage, für sich das ein zu fordern, was Grundbedürfnis jedes menschlichen Wesens ist: Kontakt zu einem anderen menschlichen Wesen.

Wenn es aber einen Menschen gibt, der sich die Mühe macht zu verstehen, der in der Lage ist, sich selbst erst einmal zurück zu nehmen,  der beharrlich und geduldig ist, dann kann er auch Kontakt bekommen:  Indem man gemeinsam lacht, staunt, singt, isst oder ein Ritual zelebriert, stellt man eine ganz kurze Gemeinsamkeit her. Dabei gilt, es, unbedingt zu respektieren, dass Autisten zu viel Nähe nicht ertragen können, direkte körperliche Nähe eben so wenig, wie intensiven Blickkontakt. Davon fühlen sie sich massiv bedroht.

Am wirkungsvollsten ist es, wenn man sich das autistische Bedürfnis nach Ritualen und Routine zu Nutze macht, dafür braucht es aber einen langen Atem. Doch hat man sich erst einmal etabliert als wichtiger Teil im autistischen Alltagsablauf,  ist der Trojaner schon fast drinnen. Bis es soweit ist, können allerdings schon Monate vergehen, frustrierende Rückfälle inklusive. Oft genug verläuft der Prozess „zwei-Schritte-vorwärts-drei-zurück“.  Und oft genug ist es ungeheuer stupide immer und immer wieder dasselbe zu tun oder zu sagen.

Wie tickt nun also so ein einsames Wesen vom anderen Stern? Die Unterschiede fangen schon bei der Basis an: Bei der Wahrnehmung, denn ein Autist nimmt anders wahr. Seine Sinne hören, sehen, riechen, schmecken und fühlen verzerrt, und diese schrägen Eindrücke werden auch noch disharmonisch miteinander verknüpft. Das macht ihnen oft große Angst,  Panik, und erregt manchmal auch Wut und Aggression als hilflose Reaktion darauf.

Jeder wache Moment ist wie ein schräger LSD Trip, ist dem Chaos und Schrecken ausgeliefert. Deshalb flüchten sich Autisten in Berechenbarkeit, begegnen dem Terror mit zwanghafter Kontrolle und Gleichförmigkeit. Retten sich durch  den wilden Ozean ihres Tages auf ein Floß von Routine, Uhrzeit, vertrauter Umgebung. Ein guter Tag ist einer, an dem alles wie immer ist.

Weihnachten sind keine guten Tage. Sie sind die Höhepunkte einer langen Reihe schlechter Tage, der Adventszeit. Da gibt es viel Kerzenlicht, das macht Angst, alles flackert, Konturen lösen sich auf, es gibt zu viele dunkle Ecken, überall stehen und hängen komische Dinge, man erkennt seine vertraute Umgebung nicht mehr, immer wieder wird gesungen oder Musik gespielt, das ist schrill und schrecklich. Alles ist viel zu warm. Es riecht anders, scharf und viel zu intensiv. Oft muss man stillsitzen und warten bis etwas zu Ende ist: vorlesen, erzählen, musizieren, singen.

Und selbst, wenn man nicht mitmachen muss, sondern aufstehen darf und weggehen, spürt man den Druck der Erwartung und den spürt so ein hochsensibler Autist unter seiner versteinerten Maske ganz genau: Du bist falsch, nicht gut, nicht richtig. Du kannst diese Empfindung nicht ausdrücken, nur dass es immer wieder weh tut, das merkst du sehr deutlich. Die Menschen sind enttäuscht von dir. Das kommt an, mit voller Wucht.

Schlimm ist auch dass sie das Alleraller-Unmöglichste wollen: Dich berühren, dich drücken und  küssen und streicheln. Verstehen kann man es, denn du bist bildhübsch, mit großen blauen Augen und hellblonden Locken. ( „Ein Glück“, sagt die eine Oma oft, „wenigstens sieht man ES nicht“)  „Na komm mal her David, gerade Weihnachten, ein wenig Kannst du dich auch bedanken für deine Geschenke“.  Zunächst duckst du dich weg, bei hartnäckigeren Versuchen ziehst du dann schon mal an den Haaren oder kratzt.

„Wird er jetzt aggressiv?“ „Ihr solltet wirklich was unternehmen“ „Es gibt so schöne Heime“  Weihnachten oder nicht, diese Sätze fallen immer wieder, seit Davids fünftem Lebensjahr. Aber Heiligabend stoßen sie besonders bitter auf. Geduldig erklären wir wieder und wieder, warum alles ist wie es ist, warum wir nicht im Traum daran denken, unser kleines Kind in ein „Schönes“ Heim zu geben – es nützt nichts, diese Informationen sind bei den Großeltern innerhalb von einer Woche verdampft.

Wir haben also die ersten Jahre unser Bestes getan, den Schrecken für den Sohn zu dosieren und gleichzeitig für seine „normale“ Zwillingsschwester ein richtig tolles Fest zu feiern. Hört sich an wie die Quadratur des Kreises, geht aber, wenn man sich Mühe gibt und eine ausgefeilte Logistik abspult.

Nach einigen Jahren etablierte sich folgender Ablauf: Omas und Tanten trudelten ein. Einer von uns war dann schon mit David auf Autotour. Entspannt mit Kassettenrekorder saß er dann hinten im Kindersitz und blickte versonnen aus dem Fenster. Zuhause ist inzwischen die erste Geschenke-Auspack-Welle. Marie freute sich ganz in Ruhe über all das Schöne, was meine Schwestern und die Omas ihr mitgebracht haben, wie immer viel zu viel, aber alles liebevoll verpackt und wie immer ganz genau das Richtige. Marie war selig.

David liebte (und liebt es mit 27 Jahren immer noch) an  Weihnachten eigentlich nur das Herunter fetzen von Geschenkpapier. Die Geschenke selber sind ihm meist schnuppe, er pfeffert sie erst unbeachtet in die Ecke, braucht einige Zeit und Ruhe, um sie für sich zu entdecken. Auch hier ergaben sich immer wieder Kommunikationsprobleme. „Macht ja gar keinen Spaß dir was zu schenken, jetzt schau dir das doch mal an, David!“. Wieder einmal dolmetschte  ich geduldig, dass er das nicht missachtend meinte, sagte, dass ich wie immer die nächsten Tage anrufen würde, um zu erzählen, wie er sich über dieses und jenes freut –Tage später erst, wenn sein Rhythmus es zuließe. Heute aber sei nun einmal Auspack-Tag für das Enkelkind.

Den versetzte das Aufreißen von Päckchen in einen derartigen Rausch, dass ihm vollkommen wurscht war, ob es sich um seine Geschenke oder die seiner Schwester handelte. Die wiederum wickelte jedes Paket langsam und genussvoll aus…
Ergo fuhr eben einer von uns eine ganze Weile mit David herum. Der hatte dann erst einmal Hunger, wenn wir wieder zurück kamen. Er verschwand mit einem von uns hinterm Küchentisch und wurde kurz aber herzlich an der Küchentür begrüßt, denn die Omas hatten sich emotional schon an Marie ausgetobt, die mochte geherzt und geküsst und gedrückt werden. Für ihre Geschenke hatte sie genug Zeit gehabt, alle waren also entspannt.

Wenn dann die Verwandtschaft fröhlich abgezogen war, machten wir erst unsere David Bescherung, dann der übliche Autisten-Ablauf, dank entsprechender VHS-Aufnahmen so wie jeden Tag: Baden, Sesamstrasse, Sandmännchen, Bett. Diesen Ablauf hatte David noch bis er 20 war.
Er hat dann selbstverständlich noch nicht geschlafen, sondern in seinem Zimmer lange an seinem Computer gesessen, Musik gehört, Videos geguckt oder Autorennen gespielt. Aber spätestens um 19.00 Uhr war „Betti gehen“.

Dann hatte Marie ihre eigentliche Bescherung und ihr altersentsprechendes Weihnachtsdinner.  Dann wurden alle Kerzen angezündet und alles so gemacht wie es für Weihnachten vorgeschrieben ist. Irgendwann, ich glaube die Kinder waren 5 oder 6, sind mein Mann und Marie am 1. Weihnachtstag in aller Herrgottsfrühe nach Österreich aufgebrochen. Freunde betreiben im Salzburger Land eine kleine Pension, einsam gelegen auf 1500m Höhe. Dort blieben die beiden bis kurz vor Sylvester, liefen Ski und erholten sich von Heiligabend. Diese Gewohnheit hielt sich lange Zeit.
Und David und ich: Wir hatten es auch so richtig gut zu Hause. Nur wir beide, verstanden uns ohne viele Worte, in diesen Tagen konnte man mit David sogar schmusen. Wer braucht da schon Geschenke?


Dienstag, 23. Dezember 2014

22. Dezember 2014 - Vox - Kein Beitrag über das gestrige Wiederholungs-Dinner


Die Lückenbüßer

Schnell ein paar Lückenfüller her, weil die Leute, sprich Zuschauer, sich noch im verflixten Einkaufsrausch befinden oder auf dem Weihnachtsmarkt anzutreffen sind - oder Betten bauen müssen, um Verwandte unterbringen zu können. Der eine oder die andere muss schnell noch ein paar Plätzchen backen oder schon mal den Rotkohl für Weihnachten vorbereiten. Es gibt soviel zu tun, manche treiben es bis zur seelischen Erschöpfung - da braucht niemand eine Langweiler-Dinner-Wiederholung von irgendwann. Entspannung sieht anders aus als diese Sendung,

die auch ich nur zur Hälfte gesehen habe, und diese Hälfte sehr unaufmerksam.

Da sind noch ein paar Türchen im Adventskalender frei, und Vox vergibt die Chance, diese sinnvoll zu füllen: Z. B. mit herausragenden einzelnen Dinner-Abenden, die müssen gar nicht mal aus einer zusammen hängenden Woche stammen. Oder mit einem Beitrag über die Dreharbeiten an und für sich. Da gäbe es bestimmt jede Menge Pleiten, Pech und Pannen zu sehen.

Dann ist in dieser Wiederholung auch noch der Bestatter-Meister Kalle am Start: Ob man will oder nicht, da fallen einem liebe Verstorbene ein. Ist doch Weihnachten und nicht Allerheiligen.

Die nötige Aufmerksamkeit hatten diese Dinner-Teilnehmer bereits vor zwei Jahren, so dass man heute seine Beachtung anderen Dingen schenken darf. Weder möchte man noch einmal im Dreck wühlen, noch jemandem auf die Schulter klopfen.

Es gibt Filme, die man jedes Jahr zur Weihnachtszeit gerne wieder sieht, aber es gibt Sendungen, die kein Mensch als Wiederholung braucht.

Noch einmal schlafen, Gruß Biene

23. Dezember 2014 - Advents-Kalender - Die Wildschwein-Geschichte

Die Bache mit ihren fünf Frischlingen
2013 noch in einem kleinen Gehege
So sehen sie heute aus.
Die Wildschwein-Geschichte


Molly und Clarence  gehören mir gar nicht wirklich - und doch so ein bisschen fühle ich mich, als gehörten sie zu mir. Und sie werden mir auch erhalten bleiben.

Am 1. Advent 2013 entliefen Molly und Clarence aus unserem Wald und irrten verwirrt in den Strassen herum. Die Polizei kam, der Förster kam - sie wurden in den Wald zurückgetrieben.

Einen Tag später: Ich bin wie jeden Tag mit meinen beiden Hunden im Wald unterwegs. Plötzlich tauchen zwei Wildschweine auf. Eine kleine oder auch größere Panik überfiel mich. Ich hatte schlichtweg Angst um meine Hunde, die unablässig die Wildschweine anbellten. Wie ich dachte, hatte ich Robin und Bienchen zu ihrem und meinem Glück wenigstens ganz schnell angeleint.

Aber die Wildschweine blieben absolut cool. Die reagierten überhaupt nicht auf meine Hunde. Wichen mir aber nicht von der Seite. Ging ich schneller, trabten sie auch schneller. Blieb ich stehen, blieben die auch stehen.

Zufällig treffen wir auf den Förster unseres Waldes. "Sind das Ihre?" - fragt er mich, ganz locker flockig lächelnd. Ich antworte "Könnte man denken."

Dann meint der Förster, man müsse jetzt etwas unternehmen. Die seien zu menschenbezogen. Die Muttersau sei überfahren worden.

Aber wie sich am Ende herausstellte, war die Geschichte um die zwei Noch-Frischlinge eine ganz andere, eigentlich eine traurige Geschichte.

Die Wildschwein-Frischlinge wurden von einem Menschen aufgezogen. Diesem wurden sie irgendwann zu groß, und er hat sie im Wald ausgesetzt.

Nachdem die beiden mit mir spazieren gegangen waren, wurden sie im Wald auf einem kleinen Grundstück, auf dem früher ein Polizeirevier war, eingesperrt. Die haben dann das Grundstück mal so richtig umgegraben.

Vermutlich sind da einige Diskussionen im Hintergrund gelaufen, von denen ich nichts weiß. Aber die Tiere zu schlachten, stand für unseren Förster bestimmt nicht zur Diskussion. Obwohl es für alle die einfachste Lösung gewesen wäre, aber es gibt auch noch Menschen, die nicht nach einfachen, sondern nach guten Lösungen suchen.

Seit dem 23.  Dezember 2013 haben Molly und Clarence ein erst mal provisorisches größeres Gehege im Wald.

Heute habe ich sie wieder besucht und ihnen Hundeleckerlie in die Schnauze gefüttert, da sind sie ganz wild hinterher. Und ich hatte anschließend wieder total wildschweinische Hände. Aber es ist schön, solch eine Schnute zu stopfen.

Ist natürlich keine durchgehend schöne Geschichte, wenn Menschen sich aus falsch verstandener Tierliebe so richtige Wildschweine in den Garten? holen. Aber wenigstens sind sie zu zweit.

Und sie sind die Attraktion in unserem Wald. Von der muss auch nicht jeder wissen, daher erwähne ich den genauen Ort nicht. Es gibt ja manche Menschen, die eine ganz andere Idee haben, wenn sie solche Tiere sehen. Aber das ist ein anderes Thema.

Im Laufe des Jahres kam ein drittes Wildschwein hinzu, eine Bache mit fünf Frischlingen (die heißen für mich "Gimme Five"). Wo die herkommt - und warum? - unser Förster behält es für sich. Es liegt nahe, dass noch so ein Wildschwein-Schicksal dahinter steckt. Inzwischen sind die Kleinen, die am Anfang kleiner als mein Robin waren, enorm gewachsen.

Über Neuigkeiten im wilden Schweinegehege berichte ich gern zu gegebener Zeit. Diese quiekende, nach Maggi duftende Bande mit ausgeprägten Charakteren der einen und der anderen Art ist schweinisch herzallerliebst.

Noch zweimal schlafen, Grunz Biene

Montag, 22. Dezember 2014

22. Dezember 2014 - Zum Tod von Udo Jürgens

Ein Artikel, den ich lieber nicht schreiben  würde ... Zum plötzlichen Tod von Udo Jürgens


Wenn der Vorhang fällt

Es ist am 21. Dezember, dem kürzesten Tag des Jahres, als die Nachricht über alle Ticker lief, Udo  Jürgens sei plötzlich gestorben. So  war die darauf folgende Nacht die längste des Jahres. Und für "uns" Udo geht die Sonne nicht wieder auf. So überraschend kam die Nachricht, dass man es zunächst nicht glauben wollte.

Denn Mitten im Leben schien er fit wie ein zwanzig Jahre jüngerer Mann zu sein, ging noch auf Tournee, die Plakate hängen auch hier. Er war gern und oft im Ruhrgebiet.  Der Mann hat so schöne Töne gespuckt und mit leichter Muse zum Nachdenken angeregt. Kein Text, der nicht punktgenau das traf, was getroffen werden sollte. So war ein ehrenwertes Haus ebenso detailgetreu  gemeint wie der Teufel, der den Schnaps gemacht hat. Auf die Schippe genommen hat er die in Sahnekuchen verliebten Damen, und ein bisschen verteidigt, dass ein Mann gerne mal aus allen Zwängen fliehen möchte - nach New York, wo er noch nie war.

Der Herzensbrecher auf Tournee hatte zahlreiche Affären, auch während der Zeit seiner Ehe mit Panja. Sie lebten noch lange zusammen unter einem Dach, als sie längst getrennt voneinander waren. Nun gut, es war ein ziemlich großes Dach. Später kam die Scheidung, eine neue Ehe, eine erneute Scheidung.

Die Welt braucht Lieder hat er intoniert, und sie der Welt gegeben. Mit ihnen sang er sich in die Herzen von vielen Generationen gleichzeitig. Das macht ihm in Deutschland niemand nach. Da fehlt jetzt der einzige, der keine Schlager singt, aber dennoch populär-musikalisch unterwegs war. Der von Herzen heiße Themen aufgriff oder leicht über siebzehnjährige Blondinen sang.

Er wurde am 30. September 1934 in Klagenfurt als Udo Jürgen Bockelmann geboren und starb am 21. Dezember 2014 in der Schweiz einen plötzlichen Tod. Es blieb ihm wunschgemäß jedes lange Leiden erspart, wenn auch das Plötzliche seinen Schock beinhaltet. Kurz vor dem Fest der Liebe gibt es manchmal noch ein paar Seitenschläge vom Schicksal.

Der Vorhang ist gefallen, das Spiel vorbei. Das Leben hat einen Anfang und ein Ende, und dieses Ende trifft mitten ins Herz und völlig unerwartet.

"Ich lass' euch alles da" wäre vielleicht sein letztes Lied für uns gewesen.

Mach's gut, Udo - Silvia

22. Dezember 2014 - Der Advents-Kalender - Weihnachten in London


Weihnachten in London

Der Traum schlechthin, dachte ich. So beginnen manche Träume. Geblieben ist, dass, wenn ich London mit Paris oder New York vergleiche - London meine Nummer Eins ist. Eigentlich gibt es keine Stadt für mich, die mit London mithalten kann. Swinging London, Inspiration für Künstler und Lebenskünstler. Ich hielt mich damals für etwas von Beidem, und ich war so jung, die Welt stand mir offen.

Mein damaliger Freund, ein Anästhesist, lud mich ein, über Weihnachten nach London zu fliegen.  Er hatte es schon mächtig schwer, mich zu beeindrucken - aber mit dieser Einladung hatte er den Vogel abgeschossen, ich war hin und weg. Nicht mehr so sehr von ihm, mehr von der Vorstellung, endlich ein paar Tage in meiner Traum-Stadt verbringen zu dürfen. Er selber war mir eigentlich zu langweilig, was an seinem Beruf liegen musste: Er bekam immer mehr von dem Lachgas ab als ihm gut tat.


Ich freute mich  auf Swinging London. Auf die verrückte Mode und die verrückten Leute. Da wollte ich mittendrin sein. Und so fuhren wir mit seinem Auto nach Düsseldorf, er parkte es irgendwo in der Stadt - und wir fuhren weiter zum Flughafen. Dann ab nach London-Gatwick. Eine Stunde und wir waren dort. Unser Hotel lag ganz nahe am Paddington-Bahnhof. Es war schon Abend, und viel passierte nicht mehr. Wir nahmen einen Drink in der Hotelbar und ich genoss die  Unterhaltung. Ich hätte mich zwar viel lieber sofort ins Nachtleben gestürzt, er nicht. Da ich aber immer schon rücksichtsvoll unterwegs war, so war ich es auch in London.

Der nächste Tag war Heilig Abend. Er hatte sich ausgeschlafen, ich war sowieso immer ausgeschlafen - und wir streiften den ganzen Tag durch die bunte Stadt meiner Träume. Für den Abend hatten wir uns eine Disco ausgesucht. Dort wurde erst einmal meine Handtasche nach Bomben durchsucht (natürlich nicht nur meine, sondern alle), was ich zwar befremdlich fand, aber durchaus angebracht und auch lustig. Gleich danach bekam jeder von uns irgendein Hütchen. Mir gab man eine Krone. Glatt hätte man mich für die Queen halten können, natürlich nur, wenn sie jünger gewesen wäre. Es gab auch mal Fotos von diesem Heiligen Abend, der eher wie Karneval rüber kam - aber die hat der Typ später an sich gerissen und behalten.

Das ließ sich ja wunderbar an, dachte ich, als ich am frühen Morgen ins Bett fiel. Aber da hatte ich die Rechnung ohne den Gastgeber London gemacht: Denn am 1. Feiertag war Feierabend mit lustig. Im Hotel gab es noch Lunch, dann gab es gar nichts mehr. Wir streiften durch die Stadt, alles, was bunt und rund gewesen wäre, hatte geschlossen. Schließlich, oh happy in an unhappy day - da war ein Lokal, und das hatte geöffnet. Der Freude folgte sogleich die Enttäuschung: "Gentlemen only" stand auf einem Schild. Na, super! Es war nichts zu machen: Die Stadt war geschlossen.

Irgendwie brachten wir auch diesen traurigsten aller Weihnachtstage hinter uns. Am nächsten Tag waren wir leider so weit zerstritten, dass ich mich viele Stunden vor unserem Heimflug allein auf den Weg durch London machte. Wenigstens wollte ich noch einiges besichtigen. Immer mehr kam ich von meinem Ausgangspunkt fort. Nun gut, mein Hotel lag an einer berühmten Adresse, ein Taxifahrer würde den Weg schon kennen. Nur fand ich leider nirgendwo ein Taxi. Auch kein Bus fuhr. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich letztlich doch noch zum Hotel zurück gefunden habe. Aber ich fand zurück. Wir fuhren dann schweigend zum Flughafen, stiegen schweigend in den Flieger ein - und ab ging es Richtung Düsseldorf.

Dort wollten wir in seinen Wagen steigen, um nach Hause zu fahren. Er zu sich, und ich zu mir. Aber so ganz glimpflich konnte auch die Parksituation bei diesem verfahrenen Weihnachtsfest natürlich nicht ausgehen: Der Wagen war abgeschleppt worden. Das auch noch!

Wir brauchten nicht mehr viele Worte, wir hatten uns längst getrennt. Ich war noch oft in London, selbstverständlich ohne ihn.

Gruß Biene

Sonntag, 21. Dezember 2014

20. Dezember 2014 - ZDF - Wilsberg: 90 - 60 - 90

90 - 60 - 90

Man kann es gar nicht glauben: Ekki hat einst als Jugendbetreuer in einer christlichen Einrichtung gearbeitet. Aus dieser Betreuungs-Phase kennt er Model Sonja Conrad, die in der Casting-Show "Gimme Five" - ach nein, so heißt die nicht, vielleicht "Fünf im freien Fall". So auch nicht. Ist auch egal, irgendeine öffentliche Show zur Erlangung der Laufsteg-,Klatschpressen- und Dschungel-Reife.

Sonja wird von einem Menschen verfolgt, und so stolpert sie folgerichtig Wilsberg in die Arme, der sie aus den Fängen eines Kaufhausdetektives freikauft: Denn das süße Model hat geklaut. Und mir nichts dir nichts landet sie im Antiquariat von Wilsberg, erst einmal weiblich-kritisch von der Seite her beäugt von Alex. Das kann Sonja aber nicht weiter stören, hat sie doch eine böse böse Mutter, die ihre weitere Karriere pusht wo sie nur kann, mit allen Mitteln.

Wieder gibt es eine Gastrolle für Collien Ulmen-Fernandes, diesmal als Zimmermädchen. Für das Highlight sorgt Max Giermann (bekannt aus Switch Reloaded) in der Rolle eines überdrehten Designers, der auf dem Weg zum Dschungel-Camp schon mal das Nattern übt und  seine fiesen Seiten ausspielt. Kein Schelm, wer jemanden in dieser Film-Figur ohne Zweifel wieder erkennt.

Das Show-Biz bekommt ein paar Seitenhiebe der eher allgemein bekannten Qualität verpasst. Wer nicht spurt, ist schnell weg vom Fenster. Und Sonja spurt nicht wirklich. Die junge Darstellerin Jasmin Lord gibt ihrer Rolle die nötige Glaubwürdigkeit. Und als schließlich noch ihr Assistent ermordet wird, ist es höchste Eisenbahn, den Fall aufzuklären.

Ja, die Mutter war es! Das ist eigentlich schnell herausgefunden, auch, wenn man nicht Wilsberg heißt. Trotzdem immer wieder schön, in die gemütliche Münsteraner Runde um den Bibliothekar und Kommissarin Anna sowie ihres Kollegen Overbeck einzutauchen.

Einen schönen 4. Advent, Gruß Biene

21. Dezember 2014 - Der Advents-Kalender - "Miesmacher zum Fest" - Ein Beitrag von Ruddon

Foto und Beitrag von Ruddon
Wem es bisher zu kuschelig war und wer ein paar Argumente
gegen Weihnachten benötigt - bitte! Ruddon hat sie zusammen gestellt!


Miesmacher zum Fest

Regelmäßig zum Fest der Liebe wächst meine Mordlust.
Agatha Christie (1890–1976), englische Schriftstellerin

Wenn ich beim Festschmaus in die Runde sehe, fallen mir die besten Morde ein.
Alfred Hitchcock (1899–1980), englischer Filmregisseur

Weihnachten wäre ein entspannteres Fest, wenn man sicher sein könnte, dass die Gäste nie wieder kommen. Elizabeth George (65), US-Krimi-Autorin

Was man auch verschenkt, es wird einem übel genommen.
(1815–1898), Otto von Bismarck, ehemaliger Reichskanzler

Wenn ich noch einmal „Stille Nacht“ höre, kann ich für nichts garantieren.
Mark Twain (1835–1910), US-Schriftsteller

Das Beil, mit dem man die Tanne abschlägt, sollte man auch beim Fest dabeihaben.
Gottfried Keller (1819–1890), Schweizer Schriftsteller

Wie man aus verlässlichen Kreisen hört, herrscht in der Hölle ständig Weihnachten.
Helmut Qualtinger (1928–1986), österreichischer Schauspieler

Wie beneidenswert die Völker, die das Christfest nicht kennen!
Friedrich Nietzsche (1844–1900), deutscher Philosoph

Und wieder nahen die Weihnachtstage! Gott, hilf mir, dass ich sie ertrage!
Theodor Storm (1817–1888), deutscher Dichter

Man altert nicht während des Jahres, sondern während der Weihnachtstage.
Greta Garbo (1905–1990), schwedische Filmschauspielerin

Man wendet sein Gesicht dem Lichterbaum zu, um die Verwandten nicht zu sehen.
Simone de Beauvoir (1908–1986), französische Schriftstellerin

Warum nur sieht man auf Weihnachtsfotos immer dick, alt und unglücklich aus?
(Sophia Loren (80), italienische Schauspielerin)

Rücksicht auf Verwandte ist die Wurzel allen weihnachtlichen Unglücks.
Jane Austen (1775–1817), englische Schriftstellerin

Wer zu Weihnachten Gutes tun will, richtet auch sonst viel Schaden an.
Arthur Koestler (1905– 1983), englischer Schriftsteller

Nichts ist so quälend, wie beim Auspacken eines Geschenkes beobachtet zu werden.
Marcel Proust (1871–1922), französischer Schriftsteller

Das Christfest ist nicht da, um uns glücklich zu machen. Es soll prüfen, wie stark wir im Leiden sind. André Gide (1869–1951), französischer Schriftsteller

Das Geheimnis einer glücklichen Weihnacht wird immer ein Geheimnis bleiben.
Selma Lagerlöf (1858–1940), schwedische Schriftstellerin

Samstag, 20. Dezember 2014

20. Dezember 2014 - ZDF - Herzensbrecher - Vater von vier Söhnen

Auge um Auge

und Zahn um Zahn mit dem ZDF. Es kann nicht zu Ende gehen, was gerade erst richtig angefangen hat. Aber: Man muss nach diesem Staffel-Finale nicht mehr die Sterne bemühen, um einen möglichen Fortgang auszuspionieren. Schon bei Robin Williams hat es geholfen, dass alle auf Stühle und Bänke stiegen, um dem Mann der Herzen die Gefolgschaft zu sichern. Auch das ZDF ist mit Sicherheit nicht abgeneigt, Gebühren in erfolgreiche Sendungen zu investieren anstatt in öffentlich-rechtliche Sende-Hüter.

Manche ZDF-Krimi-Stories gehen schon Richtung New Wave und Konkurrenz Tatort. In dieser final-traurigen Geschichte vom Mann der Herzen (der nicht die ganze Zeit über witzig sein muss wie jüngst ein Dinner-Teilnehmer aus München)  gibt es für die immer gestrigen Moral-Apostel nichts zu bemängeln, aber gängeln lässt sich unser aller Herzensbrecher auch nicht. Er ist ein Mann, und Männer leiden im allgemeinen an Entscheidungs-Unfähigkeiten!

 Zwei Frauen - und vielleicht eine dritte? - buhlen um seine Aufmerksamkeit und einen Platz in seinem Bett und Herzen. Pfarrer Wenkstern möchte gern allen und allem den Garaus machen - und darf nicht völlig aus der neuen Staffel verschwinden. Zuviel Herzenswärme und -güte macht den frommsten Evangelen zu einem Spielball der positiven und letztlich lethargischen Energie. Da muss was Böses her!

Jetzt wird unser aller Herzensbrecher auch noch Opa! Ich hatte nie einen Opa, aber ihn möchte ich mal gar nicht als späten Ersatz dafür sehen ... Auf nach Italien. Dort heiratet der Vater und künftige Urgroßvater. Da könnte man doch noch eine klitzekleine Episode drehen, die einem und den drei Damen mal so richtig das Herz schwer macht ... Vielleicht mit einer niedlichen Zuckerbäckerin und der Tendenz, genau so auszusehen wie seine verstorbene Frau. Mit der er ja leider nicht mehr spricht.


Danke, und frohe Weihnachten für alle, Gruß Biene

Dieselbe Produktions-Firma ist verantwortlich für Das Perfekte Dinner