Google+ Badge

Mittwoch, 13. Dezember 2017

13. Dezember 2017 - Adventskalender 2017 - 13. Türchen: Unter Obdachlosen




Unter Obdachlosen

Alle Geschichten bestehen aus vielen Aspekten, und so sind auch nicht alle Menschen, die durch welche Gründe auch immer, obdachlos wurden, über einen Kamm zu scheren. Die vorherigen Leben waren teilweise sehr unterschiedlich, und hatten dennoch vermutlich genügend Ähnlichkeiten. Es soll ein harter Überlebenskampf auf den Straßen sein, und selten sieht man einen, der keine Flasche mit der Faust umklammert, als wäre das der allerletzte Halt auf der Erde.

Bei Kälte hilft  Schluck um Schluck beim Aufwärmen, während er in allen Zeiten ebenso ein Langeweile-Killer wie ein Gleichmacher ist. Sie hieven sich auf ein gemeinsames Level -

und das ist nicht immer nur ein friedliches.

Auf dem o. g. Foto ist eine Szene aus dieser Stadt zu sehen (ohne dass man einen einzelnen erkennen kann, darauf habe ich  beim Fotografieren geachtet), ein kleines Plätzchen in einem Park, an dem sich täglich die Verlorenen zusammenfinden, um gemeinsam zum Beispiel an der Welt zu verzweifeln.

Manchmal hört man sie erzählen, was sie alles noch auf die Reihe bringen wollen - und dann muss man nur in ihre Augen sehen, um zu wissen, dass dafür mehr als nur ein paar Hürden zu überwinden wären.

Einige von ihnen sind freundlich, andere einfach nur Stinkstiefel. Soviel mir jedoch bekannt ist, sind sie meistens nur untereinander auch hemmungslos bis brutal. Nicht umsonst ist die Polizei mehrmals am Tage vor Ort. Von manchen Szenen möchte ich gar nicht sprechen, denn sie sind dem jahrelangen Alkohol-Abusus geschuldet und verstören die anderen Park-Besucher hier und da.

In der Regel jedoch stören sie weniger als dass sie zum Bild des Parks gehören. Man hat sich arrangiert, ohne großartigen Kontakt miteinander zu haben. An einem der Tage vor Weihnachten, als ich das Foto aufgenommen habe, wurden sie von einer Gruppe sorgender MitbürgerInnen mit Suppe und heißen Getränken umhegt. Sicher waren sie dafür dankbar, doch nach ein paar weiteren Litern Einlauf mit Schnaps ist auch das wieder Vergangenheit und vergessen.

In der kalten Jahreszeit kommt das Problem der Übernachtung hinzu. Ob sie freiwillig in eine Obdachenlosenunterkunft gehen? Einige werden das sicher tun.

Den Obdachlosen mit Hunden ist diese Möglichkeit verwehrt. Denn Hunde sind - warum auch immer - darin nicht erlaubt. In fast jedes Hotel darf man seine Hunde zur Übernachtung mitnehmen, egal ob drei oder fünf Sterne,

doch ausgerechnet in den Obdachlosen-Unterkünften gibt es dieses seltsame Verbot.

Nicht jeder Hund ist jedoch geeignet, ein Leben auf der Straße lange zu überleben. Auch nicht jeder Mensch wird diesen Winter

"schaffen". Vielleicht auch manchmal deshalb nicht, weil er sich nicht von seinem Hund trennen will. Was zwar vernünftiger für Mensch und Tier wäre,

aber hier gleichen sich irgendwie der ehemalige US-Präsident Bill Clinton und ein obdachloser Hundehalter:

"Willst du in Washington einen Freund haben, musst du dir einen Hund anschaffen", sagte Clinton -

und so manch ein Obdachloser weiß:

"Willst du auf der Straße einen Freund haben, musst du dir einen Hund besorgen."

Hier und da freut sich ein Obdachloser sicher über ein Fläschchen, das man ihm hinstellt, besonders an Weihnachten.

Aber nicht das Schälchen mit Wasser für den treuesten aller Freunde und das Hundeleckerchen vergessen, denn das Schälchen ist leider oft leer, falls überhaupt vorhanden, wenn jemand nur an seinen eigenen Durst denkt.


Allen einen schönen Adventstag, Gruß Silvia





12. Dezember 2017 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag in Eynatten/Belgien bei Nicole

Vorspeise: Hähnchenröllchen an Pfifferlingrisotto
Hauptspeise: Variationen aus dem Meer
Nachspeise: Apfeltarte mit Thymian-Vanilleeis


"The Sleeping Beauty"

Uta trudelt erst später ein und zieht alle Aufmerksamkeit auf die einzige Person, die ihr (vermutlich) lieb und teuer ist: Auf sich selber.

Noch hat Gastgeberin Nicole das Terrain für sich alleine, fährt von Belgien mal eben über die Grenze nach Deutschland, um einzukaufen - und da es eine Woche der Duz-Komplizen ist, duzt sie schnell auch den Fischhändler,

der sich höflich ans distanzierte "Sie" hält.

Zurück am heimischen Herd sieht jeder Griff vielfach geübt und ausprobiert aus, und dass schließlich zweiunddreissig Zähler herauskommen,

kann sie am Ende freuen. Mit einem Gewinn würde sie zum Tauchen nach Palau fliegen, um den bunten Fischen, die sie so gern ansieht, wieder einmal Auge in Auge entgegen zu schwimmen und ganz nahe zu sein. Für den heimischen Anblick reicht ihr Meerwasser-Fische-Becken.


Zweieinhalb Jahre hat sie einst als Ingenieurin in China verbracht, und wenigstens hat sie dort keinen Hund gegessen - aber sonst nicht viel ausgelassen. Ob sie vielleicht auch Hund verspeist hätte, wenn der auf den Speisekarten in ihrer chinesischen Region gestanden hätte - ich denk mal nicht drüber nach. Man muss nicht alles in den Mund schieben, was reinpasst. Und nicht alles schreiben, was einem durch den Kopf geht.

Dann kommen die Gäste, und allen voran schiebt Uta sich in den zentralen Punkt, um so viel Aufmerksamkeit wie möglich abzugreifen. Ihre angebliche Müdigkeit verhilft ihr zu einem Peinlich-Nickerchen auf Nicoles Couch

und wird von Arlette umsorgt, als gelte es, ein rohes Ei zu hüten. Küsschen zum Einschlafen und Küsschen zum Aufwachen inklusive - und ich leide ein bisschen mit Arlette, die sich derart zur Hampelfrau macht und in diese Show mit hineinziehen lässt.

Kolja würde Uta kein Küsschen zum Aufwachen reichen, sondern eine Ladung Tabasco unter die Nase reiben.

Wenn ich an freigesetztes Adrenalin denke, mit dem die Teilnehmer an einer Fernseh-Sendung eigentlich gesegnet sind - zumindest in den ersten Tagen -

fällt es mir schwer, an Utas Müdigkeit nur einen Gedanken von Glaubwürdigkeit zu verschwenden.

Ansonsten enthalte ich mich weiterer Kritik an Nicoles Menü,

denn sie ist rein jobmässig (ihre Firma ist für große I-Net-Anbieter der Zulieferer)

durchaus in der Lage, allen Kritikern für die kommenden Tage den Saft abzudrehen. Das möchte ich keinesfalls riskieren,

obwohl mir auch der Sinn danach steht, jemandem den Saft abzudrehen: Uta.

Kolja hingegen darf ruhig mehr Senf hinzugeben, denn, wenn er spricht, ist das durchaus prägnant, wie zum Beispiel sein Satz:

"Lieber tot als Zweiter."

Da bekomme ich mal so richtig Angst.


Guten Morgen, Gruß Silvia




Dienstag, 12. Dezember 2017

12. Dezember 2017 - Adventskalender 2017 - 12. Türchen: Schneeverweht und durchgedreht


Schneeverweht und durchgedreht

Ausgerechnet an diesem schneeverwehten Tag muss ich quer durch die längs-gestreckte Stadt fahren, um am anderen Ende etwas zu besorgen. Um meiner nun angedichteten und nachgesagten Dummheit vorzubeugen, muss ich zu meiner Entschuldigung sagen,

dass es bereits am Sonntag, dem 10. Dezember hier so viel geschneit hatte (und am Montagmorgen war alles wieder weg getaut),

dass ich im Leben nicht damit gerechnet habe, dass es am Montag so weiter geht. Geht es erst auch nicht, denn ich bin längst unterwegs, als das Wetter mit leichten Flocken vorwarnt,

die mir dann heftig ins Gesicht peitschen, dass es wehtut. Die Leute gehen so gebeugt wie zwar immer, aber diesmal nicht,

weil sie ihre Nasen in ihre Smartphones verklemmt haben, sondern um sich vor der Schnee-Peitsche zu schützen. Hier und da werden aber auch noch Telefone aus den Taschen geholt, denn länger als drei Minuten schaffen es einige überhaupt nicht, sie außer Acht zu lassen.

Ich fahre mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ans andere Ende der Stadt, um dort etwas zu besorgen, das ich problemlos bei

Amazon bestellen könnte,

aber ich mag den Verein irgendwie nicht. Hätte ich gewusst, wie viele Nerven mich dieser Trip kostet, vielleicht hätte ich eine Ausnahme gemacht ...

An das Gewünschte komme ich erst mal verspätet, aber heran. Das Ganze ist ein wenig sperrig, was mir später noch beinahe zum Hindernis für die Rückfahrt wird.

Einsteigen in den Bus, der nur eine halbe Stunde zu spät kommt - ist so muckelig kalt draußen, dass man an der Haltestelle

auf einen Teewagen wartet, der natürlich nicht kommt. Dabei wäre das jetzt genau das Richtige.

Die Busfahrerin fährt den Wagen wie auf Eiern, was auch besser ist als forsch durch die Gegend zu düsen, nur um den Fahrplan einzuhalten. Damit rechnet sowieso niemand mehr.

Endlich am Ziel angekommen, muss ich rüber zur Straßenbahnhaltestelle. Oh, in 10 Minuten kommt die Bahn. Tolle Ansage auf der Anzeigentafel.

Leider eine falsche.

Immer mehr Menschen sammeln sich an der Haltestelle, und mein Paket ist eindeutig hier und da im Weg. Ohne Handschuhe frieren mir außerdem beinahe die Finger ab. Jedes Gefühl weicht aus ihnen, und ich bin sicher, dass ich nie wieder schreiben oder später meine Haustür überhaupt öffnen kann.

Irgendwann kommt die Bahn, aber erst, als nicht nur ich, sondern vermutlich alle fast zu Eissäulen erstarrt sind. Die Bahn ist rappelvoll, aber wie durch ein Wunder passen alle Menschen hinein, die jetzt genau so sauer sind wie ich. Nein, nicht sauer auf den öffentlichen Nahverkehr - die machen, was sie können, und heute können sie leider nicht viel machen ...

sauer auf das Wetter mit Schneetreiben und allgemeinem dadurch resultierendem Chaos.

In der Straßenbahn finde ich einen festen Halt, das ist schon mal was. In der Region für Kinderwagen prollt gerade ein Mann laut herum, der nicht duldet, dass dort andere Leute

außer denen mit Kinderwagen stehen; er hat auch einen Wagen im Schlepptau. In breitem Berlinerisch macht er seinem vermeintlichen Ärger Luft und will sogleich einem von ihm als "Spacken" abgeurteilten harmlosen Bahnkunden an die Gurgel.

Unterdessen tuckelt die Bahn vor sich hin. Inzwischen hat der Mann mit jedem Ärger, der ihm nur vor die Nase kommt.

Zum Glück steigt das Elend bald aus und bricht sich Bahn mit seinem Kinderwagen, den er wie eine Waffe vor sich herschiebt.

Ich kann einen kurzen Blick aus dem Fenster auf den "Inhalt" des Wagens erheischen: Das kleine Würmchen trägt weder ein Mützchen noch ist es überhaupt warm genug angezogen.

Okay, ich kann die Welt diesbezüglich nicht ändern. Was habe ich auch am anderen Ende meiner Stadt verloren, in der ich das Gefühl habe, in einer anderen Welt zu sein?

Endlich bin ich zurück in meiner Welt. Das habe ich beinahe nicht mehr für möglich gehalten.

Aber auch hier peitscht mir der Schnee weiter ins Gesicht, und ich muss aufpassen, nicht auszurutschen,

denn jetzt ist es auch noch glatt geworden. Ich dreh gleich durch.


Einen schönen Adventstag, Gruß Silvia




11. Dezember 2017 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag in Stolberg bei Thomas

Vorspeise: Kohlrabisuppe mit Ravioli
Hauptspeise: Roastbeef an Printen-Rotweinreduktion mit Kartoffelpüree und lauwarmem Rosenkohlsalat
Nachspeise: Schokoladenkuchen, Himbeersorbet und Nougatpraline


28 Trommelschläge

entsprechen nicht gerade einem Super-Hit, sind aber durchaus akzeptabel für Toms Menü an diesem

heißen Montags-Dreh-Tag,

während wir hier durch Schneemassen an der Teilnahme des öffentlichen Lebens gehindert werden.

Als Ausgleich dazu empfängt Tom seine Zuschauer, sein eigenes Publikum für eine Stunde, mit bester Laune und verliert diese an diesem langen Tag kein bisschen, dass man wirklich glauben möchte, hier hantiert ein Sonny-Boy. Doch die Power und Fröhlichkeit des ersten Tages könnte noch durch andere Eigenschaften ergänzt werden - zumal, wenn ab Mittwoch oder spätestens ab Donnerstag die Müdigkeit einsetzt.

Tom ist Schlagzeuger und Musikproduzent.

Beeindruckend ist das Zahlenspiel seines Lebens:

Er ist 44 Jahre alt, seit 10 Jahren verheiratet - aber bereits 28 Jahre mit seiner Frau zusammen, während ihr gemeinsamer Sohn 26 Jahre alt ist.

Eine Turbo-Erledigung der wichtigen Entscheidungen im Leben sozusagen. Ich bin beeindruckt, dass die Beziehung ausgerechnet in der Musik-Szene schon so lange hält. Und nicht nur das, denn die beiden Früh-Familien-Gründer machen einen glücklichen Eindruck.

Zum Menü fällt mir die Menge an Salz ein, die er in das Püree kippt - es mag dennoch für viele noch nicht wirklich versalzen sein, für mich wäre es ungenießbar. Mein Essen muss fast jeder nachsalzen, denn ich selber brauche recht wenig.

Printen mag ich nicht, doch in einer Soße stelle ich sie mir lecker vor. Rosenkohl ist mein Leibgericht, doch in einzelne Blättchen muss er nicht zerpflückt sein - die werden viel zu schnell kalt. Eher ein Fall für die Augen, die "mitessen".

Uta, die Rezeptionistin in einem Krankenhaus ist, gibt die Laute,  die Schrille, während Kolja das Gegenteil dazu zum Besten gibt. Ich bin gespannt, durch welchen Umstand er dazu ausersehen worden ist,

das Final-Dinner am Freitag zu kochen. Sind stille Wasser tief? Haben sie Geheimnisse? Oder können manche einfach phantastisch kochen?

Hoffentlich macht Kolja sich im Laufe der Woche nicht derart unsichtbar, dass ich mich am Freitag fragen muss:

Wer ist das eigentlich, der heute kocht?


Guten Morgen, Gruß Silvia


Montag, 11. Dezember 2017

11. Dezember 2017 - Adventskalender 2017 - 11. Türchen: Der erschossene Weihnachtsmann



Der erschossene Weihnachtsmann

Der Weihnachtsmann hatte es nicht leicht, doch wirklich schwer verlief das Leben für seine Frau. Wenn jemand dachte, der Mann arbeitete nur an einem Tag im Jahr, so war dies ein Irrtum. Nachdem er an Heiligabend und am 1. Weihnachtstag quer durch die Weltgeschichte geflogen war, hatte er stets eine kurze Verschnaufpause bis Anfang Januar. Dann ging es für ihn in die neue Saison:

Er musste sich immer auf dem Laufenden halten, welche Geschenke gerade gefragt waren - und welche man besser von den Listen streichen sollte. Dann ging es daran, die Menschenkinder in Orte und Gewohnheiten zu unterteilen,

damit die Logistik am Ende ebenso stimmig war wie die Gaben für die einzelnen Kinder richtig. Ab Ostern ging es in die heiße Phase,

denn kaum waren die Osterwünsche erfüllt,

standen bereits neue in den Startlöchern.

Im Juli fühlte er sich von den Wünschen überfordert und erschlagen. Im August schöpfte er neue Kraft, denn die meisten Menschenkinder

machten erst einmal Urlaub - und dachten nicht so sehr an ihn.

Im September und Oktober erreichte ihn die erste Wunsch-Post, während im November die himmlische Post unter der Last beinahe zusammen brach.

Seine Frau sah er selten, denn die Arbeit war ebenso anspruchsvoll wie zeitraubend. Sie fragte ihn an einem der seltenen Tage, an dem sie mit ihm zusammen saß, warum sie überhaupt verheiratet waren. Er wollte sie trösten, denn immerhin hätte er einen Job, in dem er nicht einfach ersetzt werden konnte:

Er war sozusagen einzigartig.

Als er im Dezember nur noch für je drei Stunden Schlaf nach Hause kam,

zückte sie in einer Nacht den Revolver,

den sie aus einem seiner Gabenschränke entwendet, und der eigentlich für einen siebenjährigen amerikanischen Jungen gedacht war -

und erschoss ihren Mann.

Seit damals müssen Eltern sich selber darum kümmern, welche Geschenke ihre Kinder bekommen - und wie viel Zeit und Liebe sie in die Auswahl stecken möchten,

damit die süßen Kleinen viel Freude daran haben.

Der Weihnachtsmann ist unter einem Coca-Cola-Gedenkstein begraben - und wird täglich von seiner Frau besucht.


Einen schönen Adventstag wünscht Silvia




Sonntag, 10. Dezember 2017

10. Dezember 2017 - Adventskalender 2017 - 10. Türchen: Advents-Halali ... anders als gedacht



Advents-Halali ... anders als gedacht

10 stramme Jäger und ihre Hunde entern den Wald, um ihm den Garaus zu machen. Die dort lebende Tierwelt muss dezimiert werden, und da schnalzt der eine Jäger bereits mit der Zunge ob der zu erwartenden Leckerbissen,

während der Jung-Jäger sich noch ein bisschen schüchtern im Hintergrund hält.

Einige sitzen auf den Kanzeln, während andere noch im Dickicht nach kleineren Opfern suchen, um die Schießwut auf Treffsicherheit zu überprüfen, die ja nicht immer vom Allerfeinsten ist, sondern nicht selten reine Glückssache.

Egal, am Ende liegen die Tiere in der Regel waidwund im Dickicht und warten auf den finalen Erlösungs-Schuss - aufgespürt durch die Jagdhunde.

Doch an diesem Jagd-Tag kommt alles anders:

Karlheinz sitzt auf einer der Kanzeln - und während er hoch erfreut auf ein Wildschwein zielt, irritiert ihn plötzlich eine

dicke fette Spinne,

die hier oben in dem Schießstand ihre Netze gebaut hat. Der toughe Karlheinz jedoch fürchtet nichts mehr als eben

Spinnen -

und springt laut schreiend von der Kanzel.

Unten aber wird es auch nicht besser, denn ein paar erboste

Wildschweine rotten zum Angriff - und treiben den Jäger mal so richtig durch den Wald.

Dann peitscht ein Schuss - und Karlheinz liegt getroffen am Boden.

Damit nicht genug, düst ein Hirsch heran und nimmt ihn aufs Geweih.

Der schuldige Moritz, der Karlheinz angeschossen hat, eilt dem Verletzten zu Hilfe und gerät inmitten eines

Rudels Füchse.

Das geht nicht gut aus für Moritz. Sie beißen ihn, wo immer sie ihn treffen.

Die Häschen, die alles aus sicherer Entfernung beobachten, haben eine Mordsfreude an dem Geschehen und wären heute gern Wölfe,

um beim Beißen zu helfen.

Aber auch ohne Wölfe zu sein, haben sie einen wichtigen Part an diesem Jagd-Tag, denn sie warnen die anderen Tiere aus ihren sicheren Häschen-Verstecken heraus.

Zwei der zehn Jäger landen somit im Krankenhaus, die anderen haben für heute die Schnauzen voll, denn sie sind psychisch schwer angeschlagen, während die Tiere

sich bereits die nächsten Attacken auf ihre Peiniger ausdenken.

Ein Advents-Halali für die Wald-Bewohner.


Einen schönen Adventstag wünscht Silvia

Samstag, 9. Dezember 2017

9. Dezember 2017 - Adventskalender 2017: 9. Türchen: Geerdet sein - anstatt Wolkenkuckucksheim - ehrliche Worte über mich selbst


Geerdet sein -
anstatt Wolken-Kuckucks-Heim
eine ehrliche Geschichte

Seinen Geburtsort kann man sich ebenso wenig aussuchen wie seine Eltern. Doch bei all den verschwindend geringen Möglichkeiten, überhaupt geboren zu werden  (eine medizinische Sache),

darf man sich dennoch und immer glücklich schätzen, in eine gute und fürsorgliche Familie hineingeboren zu werden. Viele Kinder dieser Welt haben dieses Glück und den Vorteil, der eigentlich jedem zusteht, nicht - sie leiden an Armut oder an einer armseligen Umgebung, die aus ihnen nicht etwa das Beste, sondern das Schlechteste herausholt.

Ich wurde in eine Dortmunder Familie hineingeboren. Mein Vater war Dachdecker, meine Mutter meistens eine "Nur-Hausfrau" (aber nicht immer, aber dazu später).

Die Kriegswirren lange vor meiner Geburt haben meine Mutter nach Dortmund geführt, denn geboren in Alleinstein/Ostpreußen war sie in etwa die Prinzessin ihrer bürgerlichen Familie, die ich später ebenfalls sein wollte.

Manches habe ich mir sicher von ihr abgeguckt, während ich einen kleinen Teil davon auch heute noch in mir trage - aber den

tilge ich zu Mus und Brei, sobald er wieder zum Vorschein kommt.


Prinzessin

Ich war ein verhätscheltes Kind, verzogen von Oma und ihrem anderen Sohn, meinem Onkel Franz - und sicher auch indirekt und noch viel mehr von

meiner Mutter,

die, wenn es den Krieg nicht gegeben hätte, ein völlig anderes, ein luxuriöses Leben hätte führen können.

Selbst mein Vater vertätschelte mich, dass es mir manchmal angst und bange wurde aufgrund der Möglichkeiten, die ich noch austesten könnte.

Kurz und krumm gesagt: Ich war unausstehlich. Und niemand hat es bemerkt.

Mit etwa 14 Jahren wollte ich in ein Internat - eigentlich unerschwinglich für einen Arbeiterhaushalt. Doch mein Vater stimmte dem beinahe sofort zu - und meine Mutter zog mit, indem sie sich eine Arbeit suchte,

um diesen Wunsch finanziell zu erfüllen.

Im Internat war ich die Jugendliche mit dem meisten Taschengeld, das ich gerne in Schreibwarenläden und Buchhandlungen brachte. Wenigstens das war nicht so abgehoben.

Immerhin hatte ich keine Probleme mit meinen Mit-Schülerinnen, denn irgendwo kam auch damals schon oft die Person zum Vorschein, die ich heute bin.


Zu wichtig genommen

habe ich mich dennoch und leider viel zu oft und viel zu lange Jahre. Der Ausflug in die große weite Welt war mir auch vergönnt,

doch vielleicht fing genau mein

(gern passierter) Plumps auf den Boden

in dieser Welt an.

Ich begann mit dem Umdenken:

Meine Arbeiterfamilie war mir nicht länger ein Graus, sondern etwas, an das man sich klammern konnte. Die Arroganz schwand nach und nach -

auch, wenn ich aus dieser Zeit in der großen weiten Show-Welt ein "Andenken" mitgenommen habe,

das mir bis heute treu zur Seite steht -

und sich ebenfalls (daran bin ich nicht unschuldig, sorry) von dem Show-Biz verabschiedet hat.


Bodenständigkeit

Zu ihr habe ich längst zurückgefunden. Ein Kind des Ruhrgebiets und Westfalens hebt nicht ab, es verirrt sich nur vielleicht

und für eine Weile.

Meine Eltern haben sich für mich krumm gelegt - und ich danke ihnen dafür von Herzen - denn am Ende zählt nicht das, was man möchte,

sondern das, was man hat, was man greifen kann.

Und da ist der sichere Boden genau der richtige Ausgangspunkt für ein glückliches und gutes Leben.


Einen schönen Adventstag wünscht Silvia