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Samstag, 14. Oktober 2017

14. Oktober 2017 - Klassentreffen



Klassentreffen

Es gibt so viele schöne Dinge, die man unternehmen könnte - doch nein, ein Klassentreffen muss es sein. Die meisten der ehemaligen Schüler haben sich schon vor zwanzig Jahren aus den Augen verloren, aber das steht dem Wunsch nach einer Re-Union überhaupt nicht im Wege.

Und so reisen der Moppel von früher und die Klassen-Schönheit an, um an diesem Ereignis, von dem niemand weiß, ob es etwas bringen wird, einen Glanz zu verleihen, dem auch andere Klassentreffen nicht standhalten. Doch im Vorfeld ist die Hoffnung ein Prinzip, das man am Ende erst beurteilen kann.

Endlich ist es soweit und alle finden sich in der angemieteten Lokalität ein. Die eine erkennt niemanden wieder, während der andere

noch jede Menge Unsinn auf dem Schirm hat, den jeder einzelne damals begangen hat. Nachtragen kann ein solch schönes Hobby sein - und hat hier einen Nährboden, den man so leicht nirgendwo anders findet.

Nun wird es sich zeigen, ob die Gesamt-Veranstaltung ein voller Erfolg wird - oder eine einmalige Veranstaltung bleibt.

Manche möchten schon auf dem Absatz kehrt machen, denn es kann doch nicht sein, dass die ehemaligen Mitschüler

den Altersprozess nur beschädigt überstanden haben, während man sich selber noch in der Blüte voller Schönheit sieht.

Nix mit auf dem letzten Drücker kneifen - alle finden zueinander!

Aufgespritzte Lippen treffen auf verkniffene, aber wenigstens originale. Eine erscheint im Pelzmantel, während zwei anderen das überhaupt nicht gefällt - um solche Klippen der unnötigen Art zu umschiffen, hätte man das Spektakel auch im Sommer stattfinden lassen können.

Es trifft der Arbeitslose, der sich zur Tarnung Künstler nennt, auf den im vollen Saft stehenden Erfolgsmenschen,

und während "Mein Haus, meine Frau undsoweiter" die Runde macht,

meint der vorletzte Sozial-Romantiker, der als Street-Worker arbeitet, dass manches anders scheint als es am Ende wirklich ist.

Nicht alle Vermögensverhältnisse sind auf einem gleichen Level, doch intellektuelle Leistungen sind heute auch nicht gefragt, denn es geht um Spaß. Den hat zwar nicht jeder und jede, aber danach, wenn alles glücklich überstanden ist,

können alle ihre ureigenen Geschichten erzählen. Und zwar den Menschen, die sie heute besser kennen

als die Mitschüler von damals.

Zu späterer Stunde greift das Gleichstellungs-Prinzip, denn alle haben mehr oder weniger einen im Kahn und

man hechelt Dinge und Ereignisse durch, die in den heutigen Leben

so überhaupt keine Rolle mehr spielen.


So oder ähnlich können solche Treffen ablaufen.

Ich war einmal zu einem eingeladen - aber just an jenem Tag kam mir etwas sehr Wichtiges dazwischen. Ganz ehrlich, sonst wäre ich hingegangen.

Es gab keine Wiederholung des Treffens - das weiß ich aus zwei Telefon-Gesprächen.

Etwas später gab es ein Schul-Treffen - aber um dort nicht hinzugehen, brauchte ich keine Ausrede, denn wer

kennt da schon wen?


Guten Tag, Gruß Silvia

14. Oktober 2017 - Interview mit Rudi Gall - Das rudellose Tier

Das rudellose Tier

Rudi Gall ist einer von uns, von uns aus dem Ruhrgebiet.

Einige werden ihn kennen, und die anderen können ihn ein Stück weit durch dieses Interview kennen lernen. Nein, das ist keine Drohung, sondern die pure Freude darüber, dass Rudi mir die Fragen so ausführlich, mit einer Prise Humor, viel "Schreibwut" und dem typischen Ruhrpott-Charme beantwortet hat.

Danke, Rudi - auch für das Foto.




1. Wann hast du gespürt, dass die Musik in deinem Leben eine große Rolle spielen wird?  Gab es schon frühe Berührungen damit und vielleicht Vorbilder in der Umgebung deiner Kindheit?  Hast du dein Talent eventuell sogar "vererbt" bekommen?

- Ich habe eigentlich immer schon gerne gesungen, dass ich aber letztendlich dann wirklich in einer Band gelandet bin war eher Zufall.
Mein Kumpel Geisi, mit dem ich immer mal ein wenig zusammen geklimpert habe wenn uns auf den damaligen Kellerfeten zu langweilig war (genauer gesagt..wir konnten nicht tanzen!),  hatte mich unter einem Vorwand in den Proberaum
seiner Band "Mushroom" gelockt. Ich hatte gedacht, die suchen einen Gitarristen, die brauchten aber einen Sänger. Das war dann meine erste Station als (völlig unerfahrener) Sänger. Wir haben zum Einstieg Lieder von Uriah Heep geprobt,
die hatte ich gut drauf, da deren leider früh verstorbener Sänger David Byron einer meiner Helden war und immer noch ist.
Musik spielte bei uns zu Hause eigentlich immer eine Rolle...wobei mich das damals aber anscheinend mehr abgeschreckt als motiviert hat. So verschwand die erste Gitarre, die mir mein 2. Vater geschenkt hatte, völlig unbenutzt für einige Jahre in 
irgendeiner Ecke...bis ich das Teil dann doch mal in die Hand genommen hatte. Stattdessen habe ich viel lieber Kurzgeschichten geschrieben und gesungen halt nur im Musikunterricht, um die Note noch ein wenig zu retten.

Mein 2. Vater konnte super toll Akkordeon und Mundharmonika spielen...wobei mir die Lieder, die er gespielt hat, immer ein wenig suspekt waren. Ganz großes Kino war seine Aktion auf dem Campingplatz in Römo/Dänemark, als er eines Nachts
die Titelmelodie von "Spiel mit das Lied vom Tod" über den Campingplatz jagte. Das hat mich schwer beeindruckt.

Es wäre eine meiner größten Freunden, wenn er und ich heute zusammen musizieren könnten. Das hat leider nicht mehr geklappt, weil er auf einer gemeinsamen Bergtour tödlich verunglückt ist...aber ich glaube er wäre stolz auch mich
und er hätte mich wahrscheinlich auch bei meinem musikalischen Werdegang so weit als möglich unterstützt.

Talent erben...kann man sowas ?

2. Hattest du das Glück, dich ganz der Musik zu verschreiben oder gibt es neben dieser auch ein anderes berufliches Leben, eines, das dich vielleicht ebenso zufrieden macht?

- Ich bin ja ein relativer Späteinsteiger...Schulbandzeiten und so habe ich nicht mitgemacht...erst mit zwanzig betrat ich meinen ersten Proberaum. Somit gab es bereits ein anderes berufliches Leben, was dann irgendwann immer mehr 
mit meinen musikalischen Ambitionen kollidiert ist. Im Grunde genommen bin ich ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch arbeiten gegangen, um meine musikalischen Projekte finanziert zu bekommen...da ich möglichst unabhängig bleiben 
wollte.

Mein anderes berufliches Leben macht mir immer dann Spaß, wenn das kollegiale Umfeld und die Tätigkeit an sich stimmt....diese Wunschvorstellung ist aber in den letzten Jahrzehnten immer unerfüllbarer geworden, so dass

meine Kompromissbereitschaft arg gebeutelt wurde. Ich arbeite zur Zeit noch halbtags als kaufmännischer Leiter/Prokurist in einer E-Commerce Agentur.

 3. Ich habe gelesen, dass du in diversen Musikrichtungen unterwegs bist - welche sind das im Einzelnen? Und wie sieht es mit Lampenfieber aus? Kann das Publikum einem Künstler das Lampenfieber schnell nehmen - oder es auch verschlimmern?

- Ich interessiere mich eigentlich für fast alle Stilarten. Das hat auch mit meiner langjährigen Produzentenarbeit im Tonstudio zu tun. Meine eigenen Projekte tummeln sich in den Genres Rock/Pop, Singer-Songwriter, Swing, Chanson und Kinderlieder- und -geschichten. 
Lampenfieber gibt es natürlich und glücklicher Weise immer noch vor den Auftritten. In dem Moment wo ich den ersten Ton gesungen habe und ein Gefühl für den Klang um mich herum an sich bekommen habe, löst sich dieses Lampenfieber
aber dann schnell auf. 
Ein aufmerksames Publikum ist natürlich total motiviert für den Vortrag an sich. Ich habe aber im Laufe der Jahre gelernt nicht mehr soviel darauf zu geben, wenn das Publikum eher zurückhaltend ist. Das muss nicht unbedingt an dem
eigenen Vortrag liegen ... sondern liegt manchmal auch daran, in welchem Landstrich man gerade vor sich her singt. Und natürlich ist man auch manchmal
zur falschen Zeit am falschen Ort.

4. Du hast nun schon die 2. Platte mit Songs von Stephan Sulke gemacht. Warum gerade Sulke? Macht es da plötzlich Click - oder steht eher eine andere Überlegung dahinter?

- Ich finde einfach, dass Stephan Sulke einer der herausragenden deutschsprachigen Künstler ist. Er agiert seit Jahrzehnten auf einem traumhaften Niveau.
Zu Zeiten in denen ich éigentlich ausschließlich im Bereich HardRock unterwegs war, hat mich seine Musik trotzdem irgendwie erreicht.
Bei einem Hauskonzert haben Daniel Sok (Pianist) und ich spontan für eine anwesende Freundin und Sulke-Fan das Lied "Lotte" gespielt. Das Konzert wurde damals von dem Tontechniker mitgeschnitten und mir 
hat diese spontane Aufnahme gut gefallen. Zwei Jahre später habe ich dann ebenfalls recht recht spontan mit meinem Kumpel Kalli ein Video dazu gedreht. Das hatte ich dann Stephan Sulke geschickt und um
Erlaubnis gebeten, dass bei youtube veröffentlichen zu dürfen. Ihm hat die Version und das Video gefallen und ich hab dann ein paar Monate später Lust bekommen, eine komplette CD mit Liedern von ihm zu veröffentlichen. Während
der Produkton dieser ersten CD wurde mir recht schnell klar, dass eine CD als musikalische Wertschätzung meinerseits nicht ausreichen wird. Eine andere Überlegung steht nicht dahinter..ich hatte einfach Lust drauf und dass Stephan Sulke bei einigen Liedern sogar mitgewirkt hat ... ist natürlich auch eine Anerkennung, über die ich mich sehr freue.

5. Wie verhält es sich mit den Rechten gecoverter Songs?

- die Rechte verbleiben alle bei den Urhebern

6. Welches seiner Lieder hast du am liebsten gesungen?

- Alle die ich eingesungen habe mag ich sehr ... schwer zu sagen ... ich musste mir die Lieder auch erstmal alle erarbeiten ... die sind nicht einfach für mich gewesen. So spontan würde ich sagen ..." Ein vergilbtes Stück Papier" auf der Vol1 und " Wenn ich dann mal reich bin" auf der Vol2.

 7. Gibt es Zeiten, in denen du ein bisschen Abstand von der Musik brauchst - oder ist es eine durchgängige und unverbrüchliche Leidenschaft?

- Abstand ist generell ne gute Sache....aber ist schon eine durchgängige Leidenschaft. Es gibt allerdings schon Tage an denen ich überhaupt keine Einstellung habe, um zu singen. Zur Zeit ist das gerade mal wieder der Fall.

8. Hast du - außer Sulke - auch andere musikalische Vorbilder? Welche Lieder würdest du außer den eigenen und denen von Sulke noch sehr gerne singen?

- Klar ne ganze Menge...wobei Vorbilder nicht so ganz passend ist.....meistens sind es Sänger oder Songschreiber....Ian Gillan, David Coverdale, David Byron, David Sylvian, David Bowie (die heißen ja alle David die Guten), Steven Wilson, Chris Cornell, Glenn Hughes aber auch deutschsprachige Künstler wie Stefan Stoppok oder Udo Lindenberg und und und..... alle Lieder die ich gerne singe ... singe ich ab und an zu Hause alleine mit der Gitarre. Die muss ich aber nicht unbedingt öffentlich aufführen. Dafür, dass ich eigentlich nie Lieder nachspielen bzw. interpretieren wollte, habe ich in den letzten Jahren doch schon ne Menge davon nachgespielt bzw. live aufgeführt.

9. Wie sieht ein normaler Musikertag bei dir aus?

- Wenn ich einen Auftritt habe, dann packe ich morgens um ca. 10.00 h meine Anlage zusammen, fahre zum Veranstaltungsort, baue die Anlage auf, mache den Soundcheck, werde nervös, gehe auf die Bühne, bin nach 1,5 - 2 Std. kaputt, aber glücklich, rede noch ne Weile mit dem anwesenden Publikum falls jemand möchte, packe die Anlage wieder zusammen und fahre um ca. 24.00 h Richtung Heimat oder ins Hotel. Also genauso normal wie bei den anderen MusikerInnen auch...es sei denn die- oder derjenige sind so bekannt, dass sie nur noch auf die Bühne kommen müssen, weil schon alles aufgebaut und eingestellt wurde.

10. Und wie sieht ein Tag aus, an dem du einfach mal relaxt?

- Kein Fernseher, keine Musik, keine Leute um mich herum

11. Wo kann man deine Platten kaufen?

- Meine Kinderlieder CD "Wenn ein Drache Schnupfen hat" kann in den bekannten Internet Shops erworben und heruntergeladen werden. Die "Gall singt Sulke Vol1 gibt es sowohl in den Internet-Shops als auch bundesweit in den einschlägigen Läden. Für die Vol2 suche ich zur Zeit noch den passenden Vertrieb. Alle anderen Projekte können nur bei mir geordert werden....meistens bei Konzerten, wenn ich die CDs nicht wieder zu Hause vergessen habe.

12. Welche Projekte stehen als Nächstes an?
'
- Ich häng mittendrin in den Abschlussarbeiten zu meiner "Rudelloses Tier" Produktion. Und da ist es natürlich gerade äußerst ungünstig, dass ich
 überhaupt nicht motiviert bin, die fehlenden Gesangstakes einzusingen bzw. vorher noch die fehlenden Textpassagen zu schreiben. Die Textschreiberei
fällt mir grundsätzlich sehr schwer...im Gegensatz zu früher, als mir die Kurzgeschichten irgendwie von alleine aus der Feder geflossen sind. Bin einfach platt....wäre allerdings auch gerne fertig.....weil ich sehr neugierig bin, wie hinterher alles zusammen klingen wird.
Wenn ich diese Produktion gewuppet habe, dann starte ich einen neuen Versuch, um mein erstes Kinderhörbuch fertig zu bekommen.

13. Hast du ein Hobby - oder fehlt dir dafür die Zeit?

- Ich glaub mir fehlt die Zeit dafür. Aber ich kann mir vorstellen, demnächst mal wieder ne Kurzgeschichte zu schreiben. Ist ja schon Weile her ... die letzte
habe ich geschrieben als ich 13 war. Das vorgegebene Thema hieß "Wenn die Partygäste gegangen sind"...dafür gab mir unser Klassenlehrer Horst Lehnen eine glatte Eins. Ich weiß noch...ich hatte vor Stolz und Scham ganz rote Ohren als Herr Lehnen die vorgelesen hat.




Freitag, 13. Oktober 2017

13. Oktober 2017 - Vox - Das perfekte Dinner - Freitag in Hamburg bei Alexander

Vorspeise: Jakobsmuscheln auf Avocado-Mango-Tatar
Hauptspeise: Gefülltes Hähnchenbrustfilet im Speckmantel mit Bandnudeln und Tomaten-Gurken-Salat
Nachspeise: Himbeertraum


Ein Mann und eine Bauanleitung

Alexander daddelt in Hamburg, während seine Frau fernsieht. Ein Traumpaar, wenn nicht sogar der Albtraum schlechthin. Er liebt ansonsten Kuddelmuddel und Bier - das muss im Kühlschrank immer vorrätig sein,

und  ist schon mal eine Qualifikation, sich beim Dinner zu bewerben.Warum der eine und  die andere auch angenommen und in die Sendung kommt,

bleibt für immer ein Geheimnis, das ich nicht lüften kann, so gern ich es auch möchte.

Seine kleine Tochter erdet ihn bzw. hält ihn vom riskanten Quat-Fahren auch nicht völlig ab. Da halte ich mich raus, denn

um die "tolle und lustige Gruppe" komplett zu machen, braucht es ein paar Hobbies, die mit Kochen nichts zu tun haben. Manchmal geht und dreht es sich simpel nur darum, ins Fernsehen zu kommen

und die fünf Minuten Berühmtheit,

die ich übrigens bislang noch nie erwähnt, die aber allgegenwärtig sind,

auszukosten.

Früher musste man für Bekannt- und Berühmtheit einiges leisten: Es gab Schauspieler, Schriftsteller, Maler, Sänger und vieles mehr -

das ist alles Mumpitz gegen das, was man heute können muss:

Ein bisschen kochen. Ein bisschen polarisieren.

Sänger, Schauspieler, Schriftsteller und all die anderen gibt es trotzdem noch, und an diese erinnert man sich am Ende Gottseidank mehr

als an jene, die ins Licht drängen ohne zu leuchten.

Alexander leuchtet nicht besonders, aber ein bisschen.

Als Frau habe ich nun keine Bau-Anleitung, aber hier das alleinige Wort - was auch irgendwie ungerecht ist -

aber wo geht es schon gerecht zu?

Trotzdem würde mir Alexander gefallen, wenn er eine Komponente in meinem Leben wäre - aber es würde nicht allen gefallen,

sowohl mit Bauarbeitern als auch mit Professoren per Du zu sein.

Und die, die dazwischen stehen, sind vermutlich auch nicht meiner Meinung,

aber eine bessere Mischung gibt es nicht,

falls das Leben sie je zulässt.

Doch -

es lässt sie zu - auf Facebook - denn dort ist erst einmal jeder ein Gleichgesinnter bis man anderer Meinung wird.

Oder sich der eine intellektuell - was auch manchmal nur scheinbar ist - vom anderen trennt.

Denn wirklich intellektuell ist nur der,

der sich in

Menschen hineinversetzen kann, die anders ticken als sie selber. Oder sogar auf eine völlig andere und unbekannte Weise klug sind.

Das verlangt sowohl Herz als auch Verstand und jede Menge Nachdenken.

Alexander bekommt

neunundzwanzig Punkte.

Der Gewinner ist Roberto

und

Vox,

die oft noch unterschiedlichere Menschen miteinander verbinden als in dieser Woche.


Guten Abend, Gruß Silvia


7. Oktober 2017 - "Sie ist eine alte Schreibmaschine ..." und steht am Straßenrand



Sie ist eine alte Schreibmaschine

und wurde endgültig am 10. Oktober 2017 entsorgt, und achtlos gehen die Leute an ihr vorbei. Vielleicht sehen einige sehr junge genauer und mit einem höhnischen Lachen hin, weil sie solch ein Teil kaum einordnen können,

aber großes Interesse zeigt niemand.

Die Typen (viele kennen Typen nur aus Single-Börsen im Internet) haben sich zu einem Knubbel zusammen gerafft, ein Farbband hat sie längst nicht mehr. Irgendjemand hat sie eventuell nur aus nostalgischen Gründen so lange behalten - oder auch einfach in irgendeinem Schrank oder gar im Keller vergessen.

Könnte sie Geschichten erzählen oder hat sie nur Geschäftsbriefe formuliert? Hat jemand Freude an ihr gehabt oder war sie nur von Nutzen?

Vielleicht hat jemand auch lange gezögert, dieses Stück Geschichte dem Müll zu übergeben - und daher hat sie

modernere Schreib-Computer und die

Computer-Zeit

überhaupt so lange überlebt?

Möglich auch, dass die Wohnung eines verstorbenen Menschen ausgeräumt wurde - und mit all den anderen Erinnerungen fiel auch sie dem Zahn der Zeit zum Opfer und wurde ihrer allerletzten Bestimmung zugeführt.

Meine 1. Schreibmaschine bekam ich mit elf Jahren, und ich habe schon damals Geschichten auf ihr gehämmert,

dass es meine Mutter nur so zum Weinen brachte. Nicht, weil die Stories so gut waren - bei weitem nicht - sondern weil ich sie an sie selber erinnert habe,

denn sie hat schon als Kind Gedichte geschrieben hat. Es waren schöne Gedichte für ihre Eltern, die drei Brüder und für Freundinnen,

aber auch schriftliche Erinnerungen an ihre Flüchtlingszeit in einem dänischen Lager - und vor allem welche über ihre ostpreußische Heimat.

Einige ihrer Gedichte habe ich noch, sie stehen in einem dicken Band und auf den Rückseiten mancher Fotos.

Meine 1. Schreibmaschine - wo ist sie geblieben? Ich weiß nicht mehr, was aus ihr geworden ist -

 aber ich hänge auch

keinen vergangenen Zeiten nach.

Doch, wer weiß ... vielleicht hängen sie mir nach.


Guten Tag, Gruß Silvia






12. Oktober 2017 - Vox - Das perfekte Dinner - Donnerstag in Hamburg bei Jessica

Vorspeise: Zurek (traditionelle polnische saure Mehlsuppe)
Hauptspeise: Rinderfilet im Teigmantel mit Selleriepüree
Nachspeise: Ricotta-Törtchen


Sauer macht auch nicht immer lustig

Es ist ein müder Donnerstag, und nur Jessica, die heute kochen darf, ist voll konzentriert, auf Fleckenjagd, sobald einer auftaucht, verwirft eine fusselige Schürze als nicht fernsehtauglich - und bereitet eine Vorspeise zu,

für die man

geboren sein muss, um sie zu mögen. Sie hat Mehl mit diversen, meinem Vergessen anheim gefallenen Erinnerungen, konserviert, tagelang gehütet und hin und wieder geschüttelt - und ja, mich schüttelt es auch bei dieser Suppe.

Durften und dürfen die Kinder in Polen dazu sagen: "Nein, meine Suppe ess' ich nicht!"?

Jessica wird sie wohl häufiger zubereiten, denn sie und ihr Verlobter David stammen beide aus Polen, dem Land, in dem die Suppe erfunden wurde.

Inzwischen hat David ihr einen Heiratsantrag gemacht. Das wäre also abgehakt, das gemeinsame Party-Leben ist auch Geschichte, und die beiden frönen der Gemütlichkeit. Hund Lennox wird es freuen, wenn Frauchen und Herrchen an den Wochenenden nicht

sauer eingelegt

bis in die Puppen die Spuren der Nacht wegschlafen und stattdessen mit ihm etwas hundisch-fröhliches unternehmen.

Die Gäste sind heute allerdings auch nicht auf Party und Stühlerücken aus, sondern machen aus der Veranstaltung einen müden Donnerstag.

Es hagelt viel Kritik,

und dann zückt doch jeder die Acht-Punkte-Tafel.

Zweiunddreissig Punkte darf Jessica sich also insgesamt ins Haus holen, und die reichen nicht für eine Siegesfeier, sind aber verdammt freundlich.

Alexander darf als Letzter kochen und dann die Hamburger

Lichter löschen.


Guten Morgen, Gruß Silvia



Donnerstag, 12. Oktober 2017

11. Oktober 2017 - Vox - Das perfekte Dinner - Mittwoch in Hamburg bei Gabriele

Vorspeise: Gazpacho, dazu würziger Seeteufel-Spieß und Melonensalat
Hauptspeise: Süßes Hühnchen im pikanten Mantel mit Rosmarinkartoffeln und grünen Bohnen nach spanischer Art
Nachspeise: Zitronensorbet, spanischer Mandelkuchen und frische, südländische Früchtevariation


Let's Spend The Night Together

Mit Tochter Kim und Malteser-Hündin Lilli lebt Gabriela in einem schönen Haus mit sehr, sehr viel Deko - alles angerichtet in Reih und Glied und farblich aufeinander abgestimmt. Sie habe ein großes Herz voller Ungeduld, meint sie über sich selber,

doch Ungeduld sehe ich nicht, während sie versucht, ihre Gäste zu bekochen.

Das große Herz fehlt mir, als die riesige Felldecke ins Blickfeld rutscht, während sich darunter ihre Gäste einkuscheln oder gleich "einschlafen",

weil sich dieser Abend in die Länge zieht.

Gäste, die sich betragen wie Freunde, die man kein zweites Mal einladen wird.

Ein Ausstellungs-Haus, meint Tochter Kim zu ihrem Daheim, und das macht die Albernheit zu vorgerückter Stunde um so dramatischer:

Da rutschen die Gäste auf ihren Dreh-Stühlen in Formation in die Küche, der Hund wird gegen seinen sichtbaren Willen in die Luft gehoben und beinahe kippt auch noch die Tischdeko,

obwohl die Stimmung untereinander die allerbeste zu sein scheint - falls diese zwischendurch nicht gerade

laut Regieanweisung? in Langeweile und Müdigkeit erstarrt.

Die ganze Nacht müssen die fünf Leute dann doch nicht miteinander verbringen,

denn gegen Mitternacht ist auch der Nachtisch Geschichte.

Gabriele bekommt neunundzwanzig Umdrehungen, die Stühle haben mehr auf dem Buckel nach diesem langen Abend.

Eines jedoch hat die Gastgeberin gut drauf, wenn es auch nichts mit Kochen zu tun hat:

Sie redet sich gern ihre Welt schön. Abends, wenn sie in ihr Zuhause zurückkehrt und alle Sorgen außen vor lassen kann,

ihre Zeiten auf Ibiza und mehr.

Sicher gelingt es ihr ebenfalls, dieses maue Ergebnis, resultierend auf ihren Kochkünsten, schön zu reden.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Mittwoch, 11. Oktober 2017

10. Oktober 2017 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag in Hamburg bei Roberto

Vorspeise: Hamburger Matrosen-Labskaus
Hauptspeise: Iberico Kotelett mit Pfifferlingsrisotto
Nachspeise: Himbeer Pie mit Marshmallow Baiser, Brigadeiros und frischen Himbeeren


Tatort Hamburg

Der einstige Matrose und Flugbegleiter Roberto wird nun in einer Polizeischule aufs heiße Pflaster Hamburg geschult,

und somit steigt die Hoffnung, dass er schon bald den Kommissar

Til - Tiller - Tschiller

ablösen kann,

damit man endlich wieder Freude an einem Tatort aus Hamburg haben kann.

Nötig gechillt ist Roberto, den so leicht nur die zwei Söhne aus der Ruhe bringen können, denn er kann ihnen nichts abschlagen.

Oh je, nun habe ich hier eine Fiktion mit der Realität verwechselt. Das kommt dabei raus, wenn man zuviel fernsieht.

Denn nur Roberto ist real, während Tschiller niemand ist, den man kennen oder dem man begegnen muss, denn wo er geht und steht, fallen Menschen um wie Grashalme beim Mähen, und sein Nuscheln versteht auch niemand wirklich.

Roberto hingegen bringt sich verbal sicher durch die Stunde Sendezeit, und vielleicht hat er sogar eine beruhigende Wirkung auf

Dorina,

die heute wesentlich ruhiger als an ihrem Dinner-Tag unterwegs ist. Es war wohl mehr oder weniger und wie vermutet nur die totale Aufregung

vor dem Massen-Einfall von Fernseh-Leuten, die diese Nervosität ausgelöst haben.

In der Küche weiß Roberto, was er tut und begeistert

Gabriele zu dem Abwurf von sogar zehn Umdrehungen.

Insgesamt streicht er fünfunddreissig Punkte ein, und da für Roberto die zum Greifen nahen 3.000 Euro immens viel Geld bedeuten, gönne ich ihm diese schon mal - obwohl ich mich an einem Dienstag sonst nie so weit aus dem Fenster hänge.

Aber Roberto macht einfach einen sympathischen Eindruck,

wenn zehn Zähler auch ein bisschen übertrieben sind.

Falls der Sieg seiner wird, so werden ihn die drei Freunde, die am Nachmittag eine Ladung Flaschen vorbeigebracht haben,

sicher an einen Umtrunk erinnern.


Guten Morgen, Gruß Silvia